Teetassen
Aromatisierte Tees, Tee des Monats

Tee auf »Downton Abbey«

Nachdem ich über zwei Wochen zu Royal Albert recherchiert hatte, dachte ich mir, dass es eine gute Gelegenheit wäre den »Downton Abbey« Tee zu probieren, der in meinem Fundus schlummerte. Tagelang »Earl Grey« und englische Blends zum Frühstück, machten mir nun Lust darauf herauszufinden, was sich Amerikaner unter britischem Tee vorstellen.

Verwirrt? »Downton Abbey« ist doch eine britische Serie? Indeed, so ist es! Der amerikanische Tee-Distributor »The Republic of Tea« brachte allerdings vor einigen Jahren eine ganze Reihe Tees heraus, die durch die TV-Serie inspiriert wurden. Sie sind durch die »Carnival Film & Television Ltd.« lizensiert und somit offizielles »Downton Abbey« Merchandise.

Highclere Castle Downton Abbey Hampshire
Highclere Castle in Newbury, Hampshire – das echte »Downton Abbey«, das auch für Besucher offen steht und sich seit der Serie vor Fans kaum noch retten kann / Foto: Richard Munckton via flickr under CC BY 2.0

Die Serie und kleine Freuden an der (Tee)-Kultur

Eigentlich gehe ich davon aus, dass »Downton Abbey« den meisten ein Begriff sein wird. Die britische Serie aus der Feder von Julian Fellowes begeisterte Millionen auf der ganzen Welt. Ausgezeichnet mit einem Golden Globe (und anderen Fernsehpreisen) avancierte sie innerhalb kürzester Zeit zum Publikums- und Kritikerliebling. In insgesamt sechs Staffeln und (bisher) einem Kinofilm begleiteten Fans die dramatischen Geschehnisse rund um die Familie Crawley und ihre Bediensteten.

Auch mich hatte das Fieber 2010 gepackt. Ich freute und litt mit Lady Mary und Lady Edith, verfolgte angespannt die Anschuldigungen um den Kammerdiener Bates, schmunzelte mit der bissigen Witwengräfin Violet und feuerte die Küchenmagd Daisy an. Kaum zu fassen, dass das schon wieder über zehn Jahre her sein soll. Angesiedelt wurden die Ereignisse im fiktiven »Downton Abbey« in der Zeit zwischen 1912 und 1926. Für Großbritannien (und auch den Rest der Welt) waren es prägende Jahre, bestimmt durch politische Unruhen, Krieg, Reformationen und dem Infrage stellen bisheriger Normen.

Gleichzeitig machte die Mode der 1920er Jahre einen wunderschönen Sprung. Das Besondere an der Serie ist für mich eindeutig das Set- und Kostümdesign. Mit Liebe zum Detail, und so authentisch wie möglich, kann man den Wandel der Mode und die damalige Tischkultur bewundern.

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich voller Ehrfurcht ein Kleid angehimmelt habe. Noch viel häufiger musste ich das Bild stoppen, um Festtafeln und Arrangements für den Nachmittags-Tee zu inspizieren. Meine Augen suchten stets nach dem feinen Porzellan und dem polierten Silber. Wundert es noch jemanden, warum »Downton Abbey« eine meiner Lieblings-Serien ist?

Das Merchandise: Nicht nur T-Shirts, sondern auch Tee

2015 war die Serie abgeschlossen. 2019 folgte noch ein Kinofilm, der an den Erfolg der Serie aber nicht ganz anschließen konnte. Fans reisten an die Drehorte und richteten selbst thematische Dinner- und Tea-Partys aus. Gefühlt hunderte lizensierte Produkte erschienen, durch sämtliche Interessensgebiete hindurch. Mir sind besonders die zahlreichen Koch- und Backbücher in Erinnerung geblieben, aber auch Geschirr, Schmuck, Dekoration für Zuhause, Kosmetik oder Kleidung. Bis hin zu Puzzles, Keksen und Wein, gab es alles, was sich irgendwie durch den Aufdruck von »Downton Abbey« zu Geld machen ließ.

Den Tee zur Serie entdeckte ich jedoch gar nicht damals, sonst erst kürzlich durch einen Twitter-Post. Ein Fan berichtete, wie sehr er sich über seinen Tee-Neuzugang freute. Ich wurde direkt neugierig. Die späte Entdeckung führte allerdings dazu, dass inzwischen nicht mehr alle Sorten der Reihe zu erwerben sind. Auch das Design wurde zwischenzeitlich modernisiert. Zeitgleich muss ich nach Studium der Zutatenlisten gestehen, dass mir mit Sicherheit nicht alle Tee-Sorten geschmeckt hätten. Letztlich habe ich mich für vier verschiedene Tees aus der limitierten Kollektion von »The Republic of Tea« entschieden.

The Republic of Tea

Das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien präsentiert sich (scherzhaft) als eine Republik, in welcher alle Mitarbeiter Minister sind. Die Käufer werden mit »Bürger« angesprochen und die Verkaufsstellen sind deren Botschaften. Das Konzept wird sowohl auf der Homepage, als auch in sämtlicher Korrespondenz und auch den Lieferunterlagen konsequent durchgehalten.

Als Motto haben sie sich »Sip By Sip« auf die Fahnen geschrieben. Das soll verdeutlichen, dass Tee für den langsamen Genuss gedacht ist. Dementsprechend wird bei der Auswahl ihrer Teelieferanten auf Qualität geachtet. »The Republic of Tea« labelt ihre Tees mit »Premium« Qualität.

Gegründet wurde das Unternehmen 1992 von Mel und Patricia Ziegler sowie Bill Rosenzweig. Dem ein oder anderen werden die Zieglers bekannt sein. Denn sie gründeten zum Beispiel das populäre Label »Banana Republic«, wo es nicht um Bananen, sondern um Kleidung geht.

1994 verkauften sie allerdings »The Republic of Tea« bereits wieder an den Geschäftsmann Ron Rubin. Dieser hatte zuvor Weinanbau an der kalifornischen Universität »Davis« studiert und brachte somit Wissen für Vertrieb und Vermarktung von Wein und Mineralwasser mit. Und er zeichnete für die ökologische Ausrichtung der Firma verantwortlich. Rubin übergab das Geschäft 2015 an seinen Sohn Todd Rubin. Laut Eigenaussage sei es dem Unternehmen nach wie vor wichtig langsam, schuldenfrei und umweltbewusst zu wachsen. Das Ziel sei nicht Expansion, sondern eine ökologisch vertretbare, familiäre Führung.

Dazu passend werden die Tees über Fachgeschäfte (beispielsweise »Whole Foods Market«), online und im Direktvertrieb verkauft. Die Zutaten stammen allesamt von internationalen Bio-Farmen.

Einen Ansatz für das ganzheitliche umweltfreundliche Konzept, kann jeder sehen, der eine Online-Bestellung von »The Republic of Tea« bekommt. Sämtliches Verpackungsmaterial ist recyclebar. Als Füllmaterial werden Reste aus der Teebeutel-Produktion verwendet. Die Teebeutel selbst sind ungebleicht und ohne Bändchen, Metallklammern oder ähnlichem, und damit wunderbar kompostierbar.

Die Tees

Bestellt habe ich die Tees direkt über den Online-Shop von »The Republic of Tea«. Vereinzelt lassen sich die Tees auch auf anderen Plattformen finden, wie beispielsweise »World Market« oder aber auch bei »Amazon«. Hier – so mein Eindruck – sind allerdings nur noch Restmengen zu bekommen und nicht die gesamte lieferbare Range. Da die Tees als »Limited Edition« vertrieben werden, ist auch davon auszugehen, dass sie mit der Zeit ganz aus den Sortimenten verschwinden werden.

Anders als bei Tees aus dem Standard-Sortiment von »The Republic of Tea«, konnte ich leider auch nicht zwischen einer losen Blattmischung oder Teebeuteln auswählen. Tatsächlich gibt es die »Downton Abbey« Varianten ausschließlich als Beutel. Hätte ich eine Wahl gehabt, hätte ich den losen Tee vorgezogen. Verpackt sind die Teebeutel aber in dekorativen Tee-Dosen, die ich im Anschluss natürlich behalten werde.

Als ich das Paket ausgepackt habe, war ich zunächst zweigeteilt. Auf der einen Seite habe ich mich gefreut über die großartige Idee den Schnittabfall als Füllmaterial zu verwenden. Und auf der anderen Seite war ich etwas enttäuscht von der Qualität des Drucks auf den Dosen. Zuvor hatte ich nämlich vermutet die Dosen wären direkt bedruckt. Sie sind aber lediglich mit einer Papierfahne beklebt. Auf den zweiten Blick fand ich es aber nicht mehr tragisch, da dies ja durchaus zu dem umweltfreundlichen Konzept des Unternehmens passt.

In den folgenden Abschnitten stelle ich die vier Tees vor, die ich mir ausgesucht habe.

Bates’ Brambleberry

Aus dem Garten in die Teetasse

Ich bin mir nicht ganz sicher, weshalb ausgerechnet Anna und John Bates Beeren zugeschrieben wurden. Eine Verbindung zu einem Garten kommt mir nicht in den Sinn, war doch eigentlich der Butler Carson in seinem Ruhestand als Gärtner zu Gange.

Wie dem auch sei; die Liebesgeschichte zwischen der Kammerzofe Anna und dem Kammerdiener John Bates ist einer meiner Lieblings-Erzählstränge. Es ist beeindruckend wie gut die beiden für einander sorgen, wie sie die (nicht eben kleinen) Schicksalsschläge meistern und wie stark sie aus diesen Krisen hervorgehen. Stets liebend und gemeinsam. Den beiden habe ich ein Happy End tatsächlich am meisten gewünscht. Vielleicht passen die robusten Brombeersträucher, die unter den widrigsten Bedingungen wachsen können, ja doch ganz gut zu den Bates’.

Der Name des Tees hat mich im ersten Augenblick ein wenig verwirrt. Ich kannte diese Bezeichnung nicht und die mysteriöse »Brambleberry« tauchte auch gar nicht mehr in der Liste der Zutaten auf. Nun habe ich aber gelernt, dass »Bramble« als Sammelbegriff für diverse Brombeer- und Himbeerarten verwendet wird. Im britischen Englisch sind damit aber in der Regel lediglich Brombeeren gemeint. Diese nennt man auch »blackberry«. Und eben diese sind in den Zutaten gelistet und bilden das Hauptaroma des Tees. Es geht also um Brombeeren.

Teebeutel teabag inhalt CTC Tee
Der Inhalt des Beutels / Foto: Kannenweise

Schon beim Öffnen der Dose verbreitet der Inhalt einen intensiven Duft nach Beeren und Garten. Teilweise ist er schon durch die Versiegelung zu erschnuppern. Der Duft intensiviert sich sogar noch beim Aufguss. Mein gesamter Küchenraum war davon erfüllt. Nun muss ich sagen, dass ich Beeren ganz gerne rieche und in diesem Moment recht glücklich war. Dennoch schien es mir vielleicht schon eine Spur zu stark parfümiert.

Tee-Zubereitung und Geschmack

Früchte Tee Beeren Brombeeren Tee Aromen

Foto: ArtHouse Studio via Pexels

Beim Aufgießen zeigen sich dabei die Vorteile der feinmaschigen, ungebleichten Teebeutel. Das Gewebe ist durchlässig genug dafür, dass der Tee ziemlich schnell sein Aroma abgibt und die Tasse sich zügig färbt. Attribute, die Hersteller von Beuteltee anstreben.

Laut Empfehlung kann man eine Ziehzeit zwischen drei bis fünf Minuten wählen. Ich bin bei der goldenen Mitte gelandet und habe nach genau vier Minuten den Teebeutel aus der Tasse gefischt.

Die Tassenfarbe entsprach letztlich einem schönen, dunklen braun. Ich erwartete also einen ausgeprägten schwarzen Tee. Dass der Tee ein schwarzer war, war dann auch zu schmecken. Das Beeren-Aroma ist jedoch so intensiv, dass es mir kaum möglich war Nuancen des Basis-Tees zu identifizieren oder dessen Qualität wahrzunehmen.

Er hinterlässt aber ein angenehmes Gefühl im Mund, ist weder bitter, noch besonders stark adstringierend. Ein runder Tee, der mir vermutlich ohne die Beeren auch geschmeckt hätte.

Als Herkunft werden diesem Blend Indien (das nicht näher spezifiziert wurde), Afrika, Papua Neuguinea und Indonesien angegeben.

Wer gerne Früchtetee genießt, und die Vorteile des Koffeins im schwarzen Tee nutzen möchte, ist hier wunderbar bedient. Auch Unentschlossene, die sich zwischen schwarz oder Frucht nicht entscheiden können, werden an diesem Tee große Freude haben. Mir war der Früchteanteil leider ein My zu stark. Dabei trat allen voran die Himbeere sehr dominant hervor. Die Brombeere selbst, ist aber auch zu erkennen, während die Erd- und Blaubeeren eher dezent zum Einsatz kommen.

Da Geschmack zuerst über die Nase wahrgenommen wird, übertragen sich die Beeren sehr gut auf die Geschmacksknospen. Sie verleihen dem Tee eine natürliche Süße. Geht es nach mir, kann man auf das Süßen dieses Tees getrost verzichten. Der Anbieter selbst schlägt vor einen Schuss Honig hinzuzufügen, um die Beeren stärker hervorzuholen. Meines Erachtens ist das nun wirklich nicht notwendig.

Tee Bewertungsbox The Republic of Tea Bates Brambleberry
Abbildung: Kannenweise / Mehr zur Bewertungsbox hier

Downton Estate Blend

»I do not argue, I explain.«

Der zweite Tee in meiner Verkostung zeigt auf der Dose Violet Crawley bei einem Nachmittagstee mit Blick auf Downton Abbey. Die verwitwete Gräfin trug mit ihren bissigen, aber treffenden Kommentaren wesentlich zum Humor der Serie bei. Gespielt wurde sie von der grandiosen Maggie Smith. Von Violet stammen einprägsame Zitate wie:

»In meinem Alter muss man seine Aufregung rationieren«
[»At my age, one must ration one’s excitement.«]

»Ich habe nie jemanden beleidigt. Ich beschreibe sie lediglich genau.«
[»I have never insulted anyone. I simply describe them accurately.«]

[Und beim Lesen bitte den britischem Akzent mitdenken!] Ich liebe diesen Charakter, der trotz all der althergebrachten Strenge und dem Hochhalten von Traditionen, doch im richtigen Moment Herz zeigt. Vermutlich hat »The Republic of Tea« mit Blick auf ebendiese Traditionen den weitläufig bekannten »Earl Grey« der Gräfin zugeschrieben.

Aber gab es Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts diesen, heute so beliebten, Tee überhaupt schon? Tatsächlich lässt sich aufgrund von Werbeanzeigen der Londoner Firma »Charlton & Co.« nachweisen, dass der Mix aus schwarzem Tee und dem Öl der Bergamotte mindestens seit 1880 populär war. Also könnte man durchaus davon ausgehen, dass ein »Earl Grey« zu Zeiten der Gräfin von Grantham serviert wurde. Ob ausgerechnet dieser (bereits aromatisierte) schwarze Tee seinerzeit zusätzlich mit Vanille verfeinert wurde, kann ich nicht sagen. Klar ist jedoch, dass Vanille als Gewürz in Europa schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt war – zunächst durch spanische Kolonialherren, dann durch interkontinentalen Handel. Bereits 1604 nahmen Franzosen die wertvollen Schoten zum Veredeln von Kaffee und Schokolade.

Tee-Zubereitung und Geschmack

Foto: Ted Major via flickr under CC BY-SA 2.0

Damit habe ich die Zutaten des »Downton Estate Blends« bereits beschrieben. Der Basis-Tee ist ein indischer Schwarztee (eines nicht näher beschriebenen Ursprungs). Aromatisiert ist diese Variante, neben dem klassischen Bergamotten-Öl, zusätzlich mit einem natürlichen Vanille-Aroma.

Ähnlich wie bei dem zuvor beschriebenen »Bates’ Brambleberry«, ist auch dieser Tee besonders intensiv parfümiert. Im trockenen Zustand sind sowohl der Zitrus-Duft, wie auch die Vanille deutlich wahrzunehmen. Auch hier intensiviert sich das Aroma während des Aufgusses. In frisch aufgekochtem Wasser durfte der Beutel die empfohlenen drei Minuten ziehen.

Farblich entspricht dieser Blend meinen Erwartungen. Ein helleres, in ein warmes Gelb gehendes Braun, das auch bei handelsüblichen »Earl Greys« zu finden ist.

Der Basis-Tee schmeckt kräftig, ohne dabei Bitterkeit zu zeigen. Im Gaumen entsteht ein durchaus angenehmes Gefühl. Die Zitrusnote ist da, wird aber durch die Vanille dominiert. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich zwar ein Fan von klassischen »Earl Greys« bin, jedoch sonst nahezu keine süß aromatisierten Tees trinke. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich diesen Tee sicher kein zweites Mal kaufen werde. Ein Tee, der nach einem Dessert schmeckt, ist einfach nicht mein Tee.

Allerdings habe ich eine Zweitmeinung eingeholt. Und mein Versuchskaninchen lobte die Vanille. Es hängt also stark davon ab, ob einem süß aromatisierte Tees liegen. Auffallend ist, dass der Geschmack der Vanille länger im Gaumen verweilt. Lange nachdem ich den letzten Schluck genommen hatte, blieb das duftige Gewürz noch auf meiner Zunge. Das wiederum empfand ich nicht als unangenehm. Es ist ein bisschen so, wie ein leckerer Kuchen, den man gerne auch noch kurze Zeit später nachschmeckt.

Tee Bewertungsbox The Republic of Tea Downton Estate Blend
Abbildung: Kannenweise / Mehr zur Bewertungsbox hier

Grantham’s English Breakfast Tea

Frühstückszeit ist Teezeit

Kommen wir nun zu etwas (fast) noch klassischerem, als dem »Earl Grey« – dem »English Breakfast Tea«. Lord Robert Crawley und seine Ehefrau Lady Cora Crawley stehen hier laut Abbildung Pate. Als Sohn der Witwen-Gräfin von Grantham Violet Crawley, hat es der Lord von Granham nicht einfach. Schon allein deshalb nicht, weil er eine Amerikanerin zur Ehefrau gewählt hat. Eine Tatsache, an die seine Mutter ihn bei jeder Gelegenheit erinnert. Hinzu kommen drei willensstarke Töchter und die Notwendigkeit mit der (sich immer schneller drehenden) Zeit gehen zu müssen. Ein Nährboden für Drama.

Daher scheint es durchaus passend, dass ausgerechnet diese Mischung den beiden zugeordnet wurde. So stammt der Name »English Breakfast Tea« gar nicht von den Briten selbst. Man sagt, dass ein Tee-Händler aus New York, aus dem »Breakfast Tea« einen englischen gemacht hatte.

Das Trinken einer Mischung aus verschiedenen schwarzen Tees zum Frühstück ist aber ein langjähriger britischer und irischer Brauch. Seit mindestens dem späten 18. Jahrhundert wurde dann auch der Name geläufig. Welche Tees hierbei gemischt werden, ist nicht festgeschrieben. In der Regel sind das kräftige, vollmundige Varietäten aus Assam, Ceylon und Kenia. Bei hochpreisigen Blends werden diese gerne auch um den chinesischen Keemun ergänzt.

Ausgelegt ist der »English Breakfast Tea« auf den Genuss mit Milch und Zucker. Schon Queen Victoria soll den Tee gerne zum Frühstück gewählt haben, womit wir die 1890er als Zeitmarke setzen können.

Tee-Zubereitung und Geschmack

Foto: A Girl With Tea via flickr under CC BY 2.0

»The Republic of Tea« kommt der Tradition insofern nach, als dass Assam, Ceylon und Kenia in der Liste der Herkunft geführt werden, ergänzt und einen weiteren schwarzen Tee aus Darjeeling. Eine durchaus klassische Mischung also.

Ausnahmsweise habe ich diesen Tee nur zwei Minuten ziehen lassen, statt den empfohlenen drei Minuten. Ich wollte eine bessere Vergleichbarkeit haben zu den mir bekannten Frühstückstees anderer Herkunft oder Hersteller. Ich lasse kräftige Tees nie über zwei Minuten ziehen, da sie mir dann persönlich zu stark werden.

Der Duft ist angenehm unauffällig, während die Tassenfarbe sich wirklich schön entwickelt. Im Ergebnis hatte ich ein sattes Rotbraun mit einem unaufgeregten Duft.

Geschmacklich ist dieser »English Breakfast Tea« sehr ausgewogen. Die Bitterkeit ist zurückhaltend und stört kein Stück. Ich habe ein wenig gespürt, wie er adstringiert, aber auch hier empfand ich das nicht als störend. Am Ende verbleibt eine leicht malzige Note im Gaumen. Definitiv ein Frühstückstee, den ich nachkaufen würde.

Da ich es gewohnt bin kräftigere Tees zu süßen, habe ich das nach der Verkostung auch noch getan. Und gesüßt schmeckt mir der Tee wirklich hervorragend. Er verträgt auch ein Stövchen, falls das Frühstück etwas länger ausfallen sollte. Besser wäre aber ein stilechtes Tea-Cosy (sprich eine Warmhaltehaube).

Tee Bewertungsbox The Republic of Tea Grantham's English Breakfast Tea
Abbildung: Kannenweise / Mehr zur Bewertungsbox hier

English Rose Tea

»Goodbye, English Rose […]«, nee falsche Zeit!

Zum Abschluss noch ein »Nicht«-Tee. Ich muss gestehen, dass ich mich für diesen Tee nur entschieden habe, weil ich die Dose mit den drei Schwestern besitzen wollte. So facettenreich wie die verschiedenen Charakterzüge von Edith, Sybil und Mary, ist auch diese Früchteteemischung. Wir erinnern uns – ich mag gar keinen Früchtetee! Probiert habe ich ihn natürlich trotzdem.

Auf kaum jemanden trifft das Klischee »Adel verpflichtet« genauer zu, als auf die drei Crawley Ladies. Wer von den Dreien meine Lieblings-Lady war, kann ich gar nicht sagen. Je nach Drama, schwang meine Sympathie von Edith, über Sibyl, zu Mary und zurück zu Edith.

[Obacht vor Spoilern!] Sie alle wachsen mit ihren Herausforderungen; die Rollen sind aber klar verteilt. [Zugegeben auch ein wenig klischeehaft]. So ist Mary als älteste, und vermeintlich hübschere, die Rolle der kühlen Femme Fatale zugeschrieben. Sie wird sich zum Ende hin auch um die Zukunft des Anwesens kümmern. Edith fühlt sich als Sandwich-Kind nirgendwo zugehörig. Ständig in Konkurrenz zu ihrer großen Schwester, kämpft sie zunächst für eine standesgemäße Ehe und später für Frauenrechte. Dazwischen sorgt sie mit einem unehelichen Kind für einen Skandal. Sybil ist als Jüngste die freieste und mutigste der Dreien, verliebt sich (nicht dem Stand gemäß) in den Chauffeur und erleidet einen tragischen, frühen Tod. [Schluss mit Spoilern]

Was so drin ist im Tee

Früchte Blumen Vanille Hagebutten Hibiskus Himbeeren Rosenblätter Collage

Foto: Credits siehe Quellenangabe am Ende des Beitrags

Die Tee-Blender von »The Republic of Tea« haben hier tief in die Blumen- und Fruchtkiste gegriffen. Als Basis dienen Hibiskus-Blüten aus Nigeria. Aufgefüllt wird das Bouquet mit Hagebutten, Äpfeln, Stevia, natürlichem Himbeer-, Rosen- und Vanille-Aroma sowie Rosenblüten.

Dafür, dass der Tee die Rose im Namen trägt, taucht diese ganz schön spät in der Zutatenliste auf. Das wird tatsächlich auch von einigen Käufern im Kommentarbereich des Shops bemängelt. Denn nicht die Rose, sondern die Hibiskus-Blüte dominiert den Geschmack.

Hibiskustee soll übrigens beleben, erfrischen und psychisch bedingte Magenschmerzen lindern (sagt man).

Mir persönlich kommt Hibiskus vor allem als Zusatz im Pfirsich-Eistee aus dem Supermarktregal in den Sinn.

Das ist kein Zufall, denn der Tee verliert auch kalt kaum Aroma und lässt sich universal mischen. Tatsächlich bemerke ich auf der Dose den Hinweis auf einen Aufguss über Eis zur sommerlichen Erfrischung. [Gemerkt!]

Ihren Ursprung hat die Hibiskus-Pflanze in Südostasien. Allerdings spielt Ägypten in der Verbreitung als Tee eine größere Rolle. Hier heißt der Aufguss Karkadeh und hat für Ägypter eine ähnlich hohe Bedeutung wie Pfefferminz-Tee für Marokko. Er ist ein ägyptisches Standardgetränk, das in der Regel mit Zucker genossen wird.

Diese »englische Rose« wurde allerdings bereits gesüßt – mit Stevia. Daher ist hier zusätzlicher Zucker nicht notwendig. Das ist etwas, was ich bei Tees nicht unbedingt schätze. Durch das »Vorsüßen«, entsteht beim Kunden der Eindruck, dass der Tee ganz ohne Süßungsmittel auskommt, was genau betrachtet ja nicht stimmt. Unabhängig davon, dass Stevia ein natürlicher Zuckerersatz ist. Ich kenne genug Leute, die nicht auf die Zutaten schauen.

Apropos »süß«. Der Hersteller verweist in seiner Beschreibung auf traditionelle britische Desserts als Inspiration. Mir fällt bei Hibiskus und Hagebutte kaum ein Nachtisch ein. Vielleicht sollte ich mal intensiver in die Dessertwelt Großbritanniens eintauchen, damit ich mehr kennenlerne als bloß Victoria Sponge oder Battenberg Cake.

Tee-Zubereitung und Geschmack

Als Ziehzeit wird fünf bis sieben Minuten empfohlen. Also habe ich dem Beutel sechs Minuten Zeit gegeben. Ich muss zugeben, der Tee hat mich positiv überrascht. Nach der bisherigen Erfahrung hatte ich eine Überdosis Aroma erwartet. Dabei duftet es zwar intensiv in der Dose selbst, aber beim Aufguss steigt ein dezent fruchtiges und blumiges Aroma in die Luft, und zwar eines, was ich als angenehm empfinde. Aufgegossen kommt vor allem die Himbeernote gut durch. Dazu habe ich auch den Hibiskus erschnuppert und (Gott sei Dank) nur einen ganz leichten Hauch von Vanille.

Teetasse teacup the republic of tea english rose tea cakes downton abbey

Dann kommt aber der eigentliche »Treat«. Der Tee hat eine wunderschöne Farbe. Vollständig gezogen färbt sich die Tasse rubinrot. Der Geschmack hält, was die Farbe verspricht. Blumig und deutlich ist der Hibiskus zu schmecken. Auch die Himbeere kommt stark durch. Hagebutte, Apfel, Rosen und Vanille sind entweder kaum oder nur ganz leicht wahrzunehmen. Für mich ist das prima, denn ich fürchtete schon wieder ein Dessert im Mund zu haben.

Letztlich aber erfrischt der Tee, schmeckt nicht nur süß, sondern wirkt durch eine angenehme Säure recht ausgewogen. Zum Test habe ich ihn auch abkühlen lassen – siehe da, auch kalt tatsächlich ein Genuss. Das ist wirklich die Überraschung der Auswahl für mich. Nie hätte ich vorher gedacht einen Früchtetee zu finden, der mir tatsächlich schmeckt.

Tee Bewertungsbox The Republic of Tea English Rose Tea
Abbildung: Kannenweise / Mehr zur Bewertungsbox hier

Die nicht getesteten, aber lieferbaren Tees

Erwähnen möchte ich noch, dass es weitere Tees aus der Downton-Kollektion gibt. Einige sehe ich leider nur noch im älteren (hellen) Design. An die ausgelaufenen Sorten werde ich vermutlich nicht mehr rankommen.

Zwei weitere Tees, kann man aber noch ohne Schwierigkeiten im Online-Shop von »The Republic of Tea« kaufen. »Mrs. Patmore’s Pudding Tea« und »Lady Cora’s Evening Tea«. Der erstgenannte klingt mit Karamell und Vanille in den Zutaten deutlich nach Dessert und hat deshalb auch nicht den Weg in meinen Warenkorb gefunden. Der Lady Cora gewidmete Tee war mir auf der anderen Seite mit (unter anderem) Zitronenmelisse, Linden- und Orangenblüten sowie Kamille als Kräutertee auf den ersten Blick nicht spannend genug.

Aber wer weiß, vielleicht möchte ich irgendwann doch noch die kompletten Dosen sammeln. Zurzeit bin ich mit meinen vier Sorten allerdings ausreichend ausgestattet.

Fazit

Alles in einem kann ich alle Tees – je nach persönlichem Geschmack – empfehlen. Sie stammen von einem umweltbewussten Tee-Handel und sind von guter Qualität. Zumindest soweit ich das anhand eines Teebeutels bewerten kann.

Da sehe ich das größte Manko für mich. Gäbe es sie als lose Blattmischungen, würde ich den ein oder anderen sicher nachkaufen. Der zweite Nachteil ist, dass deutsche Bezugsquellen rar gesät sind. Bei »Amazon« kann man über den Verkäufer »American Heritage« einige Dosen bestellen. Im direkten Online-Shop von American Heritage, der sich auf amerikanische Produkte spezialisiert hat, gibt es sie dann etwas günstiger (da man bei den Versandkosten sparen kann). Allerdings ist hier doch nur eine eingeschränkte Auswahl verfügbar. Aktuell sind noch zwei Downton-Tees und acht andere auf Lager (überwiegend Kräutermischungen). Die Auswahl an sich ergibt für mich recht wenig Sinn. Nicht ein unparfümierter, echter Tee, keine losen Blattmischungen. Aber wer möchte, kann sich hier definitiv einmal umsehen.

Die Dosen sind für rund 14 Euro zuzüglich Versand erhältlich. Kauft man direkt beim Hersteller sind es rund 10 Euro (oder 12,75 USD), allerdings mit exorbitanten Einfuhrgebühren, also nicht wirklich ein Gewinn. Wenn der Grundpreis heruntergerechnet wird, kostet eine Tasse rund 0,30 Euro. Das geht natürlich billiger, sprengt aber auch noch nicht das Portemonnaie.

Fans der Serie werden so oder so Feuer und Flamme sein. Das behaupte ich einfach mal frech, anhand meiner persönlichen Erfahrung. Neben der Downton-Tee-Kollektion habe ich aber auch noch andere Tees der »Republic of Tea« gekauft. Ich freue mich schon diese zu einem anderen Zeitpunkt zu testen.

Jetzt habe ich aber erst einmal Lust ein paar Folgen »Downton Abbey« zu schauen, mit einer Teekanne »English Rose Tea« und einem schön gedeckten Tisch.

In diesem Sinne! Cheerio! Bis zum nächsten Mal!

Quellen:

Bildnachweise (falls nicht in Bildunterschrift vermerkt):
Beitragsbild / Titelbild von Kannenweise
Collage „English Rose Tea“:
Hintergrund ~ Foto Karolina Grabowska via Pexels
Hibiskus ~ Foto Jonas Kakaroto via Pexels

Hagebutte ~ Foto Linus Mimietz via unsplash
Apfel ~ Foto Elizabeth Tr. Armstrong via Pexels
Himbeere ~ Foto Robert Bogdan via Pexels

Stevia ~ Foto Muhammad Murtaza Ghani via unsplash


Web:
Homepage The Republic of Tea, Stand vom 31.03.2021
Blog „Mon de Vanille„, Artikel „Vanille“, Stand vom 31.03.2021
Online-Shop American Heritage, Stand vom 31.03.2021
Wikipedia, Artikel „The Republic of Tea“, Stand vom 31.03.2021
Wikipedia, Artikel „Downton Abbey“, Stand vom 31.03.2021
Wikipedia, Artikel „Early Grey Tea“, Stand vom 31.03.2021
Wikipedia, Artikel „English Breakfast Tea“, Stand vom 31.03.2021
Wikipedia, Artikel „Karkadeh“, Stand vom 31.03.2021

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