Teatime
Heilige Kanne, Royal Albert, Spilling Tea

Tee bei einer Unbekannten

Vor einiger Zeit hatte ich mir in den Kopf gesetzt Silvester im Bademantel zu feiern. Idealerweise in einem Hotel. Das war noch bevor wir durch die Pandemie alle mehr oder weniger dazu gezwungen wurden. Ich wollte Gemütlichkeit zu zweit, als es noch möglich war mit Vielen zu feiern.

Mein Partner war nicht auf Anhieb begeistert – zunächst nicht. Also erklärte ich bei jeder Gelegenheit, wie schön es wäre dem Partystress zu entkommen. Entspannung in einem warmen Hotelzimmer, statt Bibbern auf einer Rheinbrücke. Alles, was mich an Silvester stresste, würde keine Rolle spielen: keine Sorgen um unpassende Garderobe, über erschwerte Rückwege, keine lauten und teuren Partys, keine ausgeschlossenen Freunde, keine streitende Familie! Irgendwann biss er an.

Wir besorgten uns hübsche Bademäntel und wandelten das Silvester-Projekt in einen Kurzurlaub um. Alle Puzzleteile begannen ineinander zu fallen. Ort des Geschehens sollte Berlin werden, denn wir bekamen Karten für die Frühvorstellung eines entspannten Winter-Konzerts. Ein wunderbares Zimmer im Hotel nebenan war auch schnell gebucht.

Hotellobby Berlin Berliner Bär Weihnachten Hyatt Weihnachtssterne
Die noch weihnachtlich angehauchte Berliner Hotellobby / Foto: Kannenweise

Von dort hatten wir einen herrlichen Blick über die Stadt. Perfekt für das Feuerwerk. Nach dem Konzert schlenderten wir auf das Zimmer und tauchten in Jazz-Klänge ein. Uns selbst warfen wir in die neuen Bademäntel und nahmen unseren Platz am Fenster ein. Ganz für uns! Vor uns ein erleuchteter Berliner Himmel, und um uns herum Ruhe.

Sushi Silvester Happy New Year Mitternachtssnack
Improvisierter Mitternachtssnack / Foto: Kannenweise

Ganz ausgezeichnet, aber wir sind hier auf einem Blog für Tee und Porzellan! Dieses Mal geht es um eine Teekanne und der Zufall brachte mich zu ihr … Das ist die Geschichte dazu.

Alte Bekannte und neue Impulse

Mein Freund, wäre nicht mein Freund, wenn er nicht den kleinen Urlaub in eine »Themenreise« umgewandelt hätte. Was ich erst in letzter Minute erfuhr: es wurden zuvor Freunde kontaktiert, Treffen vereinbart, Restaurants und typische Berliner Spots herausgesucht, sowie Playlists vorbereitet. Doch der Zufall wollte es, dass diese kleine Reise für mich mit einem Tee begann und mit einem Tee endete – um eine fixe Idee reicher.

Zur Einstimmung trafen wir uns mit einer alten Bekannten meines Freundes – und für mich mit einer völlig Fremden. Sie lud uns zu sich nach Hause ein. [Einsatz der maximalen Panik!] Wer mich kennt, weiß, dass ich ein introvertiertes Eichhörnchen bin. Bei Fremden bin ich befangen, spreche kaum und durchlebe mehrere Phasen des Unbehagens.

Deshalb erzählte mein Freund mir auch erst kurz vorher davon. Es gab kein zurück, also rollten wir unsere Koffer in eine typische Berliner Altbau-Wohnung. Wie sich herausstellte, war seine Bekannte [aller Angst zum Trotz] überaus sympathisch, und wir verbrachten einen wunderbaren Vormittag. Es gab überraschend interessante Gespräche und für mich eine kleine Offenbarung. Aber ich greife vor.

Unsere Gastgeberin bot uns warme Getränke zum herrlich hergerichteten späten Frühstück an. Mein Freund entschied sich für Kaffee und ich [natürlich] für eine Tasse Tee. Sie goss den Tee aus einer losen, schwarzen Blattmischung auf, was mich stets positiv überrascht. Meine Erinnerung lässt mich hier nur leider im Stich, denn ich weiß nicht mehr, welcher Tee genau es war. Er war schwarz, und er war köstlich.

Das kühle, glatte »Bone China« zwischen meinen Fingern

Was mich aber nachhaltig beeindruckt hat, war die Tasse, in der sie den Tee servierte: eine Glasur in mint, weiß im Innern, mit Schmetterlingen dekoriert und mit einem Goldrand verziert. Ich konnte meine Augen nicht davon reißen. Immer wieder drehte ich sie in der Hand, fühlte über das Porzellan und genoss eine weitere Tasse Tee daraus.

Teetasse Tasse Tee Royal Albert Miranda Kerr Schmetterlinge Blumen Porzellan Bone China
Neue Liebe »Blessings« aus der Kollektion von Miranda Kerr für »Royal Albert« / Foto: Kannenweise

»Die Tasse müsste dir gefallen«, bemerkte mein Freund noch. Er meinte die Schmetterlinge darauf, meine Lieblingsinsekten. Und er hatte Recht, sie gefiel mir. [Ach, was …] Ich liebte sie. Am liebsten hätte ich die Tasse ihrer Besitzerin abgeschwatzt. Diese erzählte mir, dass es sich um ein Souvenir von einem London-Besuch handelte. Im Duty-Free-Shop sprang sie ihr ins Auge. Inzwischen ärgerte es sie, nur zwei davon mitgenommen zu haben. Die zweite Tasse – in einer zart-gelben Variante –, hielt unsere Gastgeberin selbst in der Hand. Nichts also mit »Abschwatzen«.

Genau in diesem Augenblick, wurde eine neue Passion geboren. Ich tat nämlich etwas, was ich seither Hunderte Male getan habe: Ich hob die Tasse an und blickte darunter. Denn am Boden versteckte sich – wie üblich – die Hersteller-Marke. »Miranda Kerr by Royal Albert« stand da. Am frühen Nachmittag beendeten wir den Besuch, bedankten uns für die Gastfreundschaft und bestritten unsere Silvestervorbereitungen.

Das dekorierte Porzellan ließ mich nicht mehr los. Ich wollte die Tasse haben. Ich musste sie haben! Und was tut man, wenn man dringend etwas möchte? Google hilft! Die Seite des Herstellers, wo das Service tatsächlich noch verkauft wurde, war schnell gefunden. Allerdings schluckte ich beim Preis: 30,00 EUR zuzüglich Versand aus Großbritannien für eine einzige Tasse. Der Tab wurde [vorerst] geschlossen.

Ein typischer Berliner Spätkauf und Ingwer-Rosmarin-Tee

Mit der Tasse noch immer in Gedanken, suchten wir an unserem letzten, und gleichzeitig dem ersten Tag des neuen Jahres ein bestimmtes Café. Wir fanden uns vor verschlossener Tür wieder. Um nicht völlig umsonst in den Kollwitzkietz (in der Nähe des Prenzlauer Bergs) herausgefahren zu sein, schauten wir uns in der Gegend einfach weiter um.

Die Idee in einem Café auf den Zug zu warten, erschien uns allemal attraktiver, als am lauten Bahnhof herumzulungern. Wir suchten und fanden einen typischen Berliner Spätkauf, der einfach genauso hieß: »Spätkauf«.

Der Berliner »Spätkauf« im Kollwitzkietz / Abbildung: Kannenweise

Auch hier verhalfen uns zum einen der Zufall, zum anderen der Sturkopf meines Freundes, zu einem herrlich müßigen Tag. Das introvertierte Eichhörnchen in mir hätte an dieser Stelle nämlich kehrt gemacht. Definitiv wäre ich nicht in den urigen Laden hineingegangen. Er war persönlich, klein, verwinkelt und gemütlich [was nach »Stammkundschaft« schrie]. Also standen wir auf der Choriner Straße und diskutierten.

Mein Freund gewann, wir traten ein und wurden – wie erwartet – von Geschichten aus dem Leben umschlossen. Erst saßen wir im Eingangsbereich, aßen Wurstbrot und sahen dem bunten Treiben zu. Ich wollte einen Tee trinken. Heraus kam ein frischer »Ingwer-Irgendwas«. Nicht der Tee, den ich ursprünglich wollte, aber ich dachte: was soll es, einfach »Ja« zum Wirt sagen.

Ingwer-Tee Zuckerdose Chardonnay Rosmarin
Frischer Ingwer-Tee geht immer … / Foto: Kannenweise

Später verzogen wir uns in den hinteren Bereich des kleinen Ladens. Mein Freund notierte Gedanken und ich blickte Tee trinkend aus dem Fenster. Genau der richtige Abschluss unserer kleinen Themenreise. In meinem Kopf allerdings drehte sich noch immer alles um diese eine Tasse.

Die Besessenheit der Dinge

Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, zog es mich erneut zum Online-Shop von »Royal Albert«. Ab hier nahm das »Unheil« seinen Lauf. Natürlich bestellte ich nicht nur diese eine Tasse, sondern alle vier der Serie, je einmal als Becher und als klassische Tee-Tasse mit Untertasse. [Sonst rechneten sich die Versandkosten nicht! Genau!] Ach, und die Untersetzer waren auch ganz zauberhaft …

Royal Albert Miranda Kerr Friendship Tea-Caddy Coaster Pfingstrose Porzellan
Die coaster der Kollektion. Die Tee-Dose musste auch mit. / Foto: Kannenweise

Ich war glückselig; mehr noch, als alles unversehrt aus Großbritannien bei mir eingetroffen war und ich den ersten Tee aus »meiner« Schmetterlings-Tasse trinken konnte. Warum ich »Unheil« sage? Nun, es blieb ja nicht bei den Tassen, und auch nicht nur bei dem einen Service. Es ließ mir keine Ruhe, denn ich hatte ja inzwischen entdeckt, dass es zu den Tassen auch verschiedene Teekannen gab.

Miranda Kerr hatte für Royal Albert nämlich eine ganze Serie gestaltet. Ich war angetan von den Motiven – ich wollte mehr. Also bestellte ich mir auch noch eine Teekanne, dieses Mal aus den USA. Denn die Version in mint, passend zu meiner geliebten Tasse, gaben die Shops in Europa nicht her.

Teekanne Teetasse Mug fluted Butterflies Schmetterlinge Blessings Porzellan Royal Albert Miranda Kerr
Ganz schnell ans Herz gewachsen: die Teekanne »Blessings« aus der Kollektion von Miranda Kerr für »Royal Albert« / Foto: Kannenweise

Manchmal können neue Dinge dazu verführen leicht angestaubte Interessen neu zu entdecken. So war es auch hier. Nicht nur, erinnerte mich die Tasse an meine eingeschlafene Liebe zu Porzellan. Auch mein Teekonsum nahm rapide zu. Schließlich wollte ich Teekanne und Tasse nutzen. Eines führte zum anderen und mein Interesse am Tee vertiefte sich: neue Teesorten, neue Bücher über Tee, neue Utensilien. Von Hölzchen, auf Stöckchen in den Wald …

Der Königliche Albert und die Wilden

Mit »Royal Albert« habe ich natürlich gleich eine englische Institution zum Sammelgebiet erkoren. Die Porzellanmanufaktur ist nicht die älteste Englands, und vielleicht auch nicht die bedeutendste. Jedoch ist es eine Manufaktur mit Tradition, sowie zahlreichen Fans und Sammlern. Wie die meisten Industrieunternehmen ihrer Zeit begann auch »Royal Albert« als Familienunternehmen.

Thomas Wild Senior und sein Sohn Thomas Clarke Wild legten den Grundstein 1895. Sie erwarben die »Albert Works« in Longton (Stoke-upon-Trent, Staffordshire) im Herzen Großbritanniens. Die Gegend ist auch heute noch für Porzellan und Keramik bekannt. Die Werke produzierten bereits Tee- und Frühstücks-Services aus Knochenporzellan (»Bone China«). Der Name »Albert« und die Branche waren also quasi vorgegeben. Ihren eigenen Namen, »Thomas C. Wild & Co.«, brachten die Geschäftsmänner zusätzlich in die Firma hinein. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen sie sich bereits zu vergrößern. Wichtiger Meilenstein dabei war der Kauf der nahe gelegenen »St. Mary Works«, die bis dato Porzellane verziert hatten.

St. Mary Works Royal Albert
Die »St. Mary Works« heute. Seit 1998 wird hier kein »Royal Albert«-Porzellan mehr hergestellt. Zunächst wurde die Produktion in die Werke von »Royal Doulton« verlegt und 2002 schließlich komplett nach Asien (China, Indonesien, Thailand). »Made in England« gibt es für »Royal Albert« also leider nicht mehr. / Foto: Steven Birks via Geograph under CC BY-SA 2.0

Unterdessen wurde an einem weiteren Meilenstein gearbeitet. Durch Kontakte zum Königshaus, erhielt die Manufaktur ihre Königliche Legitimation. Das hieß, dass der königliche Hof mit Porzellan der Wilds beliefert wurde. In Folge durfte der Zusatz »Royal« im Markennamen geführt werden. Das war dann die Geburtsstunde für die Marke »Royal Albert«.

Seit 1904 [dem offiziellen Gründungsjahr des Unternehmens], wurden sämtliche Porzellanteile nun mit »Royal Albert Crown China« versehen und vollständig in den »St. Mary Works« produziert.

Die Wilds waren zudem innovativ. In den 1920ern kamen etwa fünfzehn zusätzliche Fabriken ins Portfolio. Die »Thomas C. Wild & Sons Ltd.« exportierte inzwischen nach Neuseeland, Australien sowie Nord-Amerika, und war eine der ersten Manufakturen der Branche, die gas- und strombetriebene Brennöfen einsetzte. Ich sag ja – von Hölzchen, auf Stöckchen in den Wald.

Mit Blumen auf Erfolgskurs

Nun war es an der Zeit eine Nische zu finden, beziehungsweise ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen erfolgreichen Manufakturen. In Puncto Qualität und Dekor gefiel in dieser Zeit vor allem das »Crown-Derby« Porzellan. Dieses war jedoch kostspielig – Luxus. Die Wilds entschieden sich dazu mit ihren Services eine breitere Masse anzusprechen.

Die populären Motive des »Crown-Derby« Porzellans standen Pate für die neuen Dekore. Allerdings produzierte »Royal Albert« wesentlich günstiger und eroberte sich auf diese Weise seinen Platz in den Haushalten Großbritanniens.

Insgesamt blieb »Royal Albert« bis heute seinen floralen Mustern treu. Zur Inspiration diente die englische Gartenflora. Die Dekore reichten von viktorianischen »Chintz«-Motiven, über »Art-Deco«-Blüten, hin zu groß aufgetragenen Blüten.

Klassisches »Chintz«-Motiv von »Royal Albert«. Chintz heißt soviel wie flächendeckend eng angelegte Streublumen / Abbildung: Kannenweise

1962 gelang »Royal Albert« ein ganz besonderer Coup. Harold Holdcroft – der seit 1934 die Künstlerische Leitung innehatte – entwickelte das bekannteste Dekor der Firma: »Old Country Roses«. Es war die Weiterentwicklung eines älteren Designs aus den 1920er Jahren. Dieses Dekor kennt in Großbritannien jeder. Bis heute erfreut es sich großer Beliebtheit. Mit über 130 Millionen Teilen ist es die meistverkaufte Dekorierung – sozusagen das Flaggschiff von »Royal Albert«. Es wurden zahlreiche Sonderformen und Geschenkartikel dazu entwickelt.

King Ransom Old Country Roses Royal Albert Porzellan porcelain china tea-cup
Links die älteren »King Ransom« Rosen. Rechts ein Tee-Gedeck mit den »Old Country Roses« aus dem Jahr 1962 / Abbildung: Kannenweise – Foto: Tracie Hall via flickr under CC BY-SA 2.0

Die Rosen sind so erfolgreich, dass man sie sogar in dem Musik-Video zu »You Need To Calm Down« von Taylor Swift finden kann. Wer genau hinsieht, entdeckt Tassen und Untertassen mit dem »Old Country Roses« Dekor.

Taylor Swift You Need To Calm Down Old Country Roses Royal Albert Porzellan
Auch Taylor Swift schwört auf »Old Country Roses«, zumindest im Video zur Single »You Need To Calm Down« / Quelle: Youtube

Veränderungen und Erinnerungen an Liebgewonnenes

Großer Sprung in die Gegenwart, wo die Marke inzwischen einem finnischen Großkonzern (der »Fiskars Group«) gehört. Mit einer Produktion in Asien und den Eigentümern in Finnland, kann man nun darüber streiten wie viel »Großbritannien« überhaupt noch in der Marke steckt. Daher konzentrieren sich die meisten Sammler auf die älteren Stücke »Made in England«. Wer mehr zur Geschichte von Royal Albert erfahren möchte, findet bald einen ausführlichen Artikel in der Kategorie »Unternehmenskiste«.

Nun aber kommen wir endlich zu meiner geliebten Serie. Nach einem Relaunch der Marke 2012 wurden für »Royal Albert« neue florale Muster eingeführt, die unter »Modern Vintage« zusammengefasst werden. Blumen ließen »Royal Albert« also nicht los [zum Glück].

Es entwickelten sich auch diverse Kollaborationen mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Eine von ihnen war das australische Supermodel Miranda Kerr. Spätestens seit 2007 ist Kerr als ein »Victoria Secret Engel« der Welt bekannt geworden.

Miranda Kerr

Foto: Miranda Kerr von Eva Rinaldi Celebrity Photographer via flickr under CC BY-SA 2.0

Unter ihrer Mitwirkung entstand ein feminines, [und natürlich] florales Dekor. Laut Werbetext lehnt sich die Reihe »Miranda Kerr by Royal Albert« an das Farbschema ihres privaten Gartens an. Die Farbpalette ist in dezenten Pastelltönen gehalten. Im Zentrum steht Kerrs Lieblingsblume: die Pfingstrose. Und geschmückt wird das Ganze mit Schmetterlingen und Goldrand. Das Porzellan weckt beim Model Erinnerungen an Tee-Nachmittage mit ihrer Großmutter und Besuche bei Freunden. [Hach, das gefällt mir natürlich.]

Der wertvollste Besitz ihrer Oma, soll ihr »Royal Albert«-Porzellan gewesen sein.

Das sind schöne Gedanken, auch wenn sie wohl aus der Feder einer Marketing-Agentur stammen.

Tatsächlich finde ich, dass »Royal Albert« es geschafft hat das typische und traditionell Englische zu behalten und dabei trotzdem nicht verstaubt zu wirken. Ich mag die Veränderungen; ich mag es aber auch, dass das Altherkömmliche nicht vergessen wird.

Royal Albert Miranda Kerr Teller Porzellan Pfingstrosen Schmetterlinge
Pfingstrosen umgeben von Pastell und Schmetterlingen / Foto: Kannenweise

Auf die Form kommt es an

So ist es für »Royal Albert« typisch das Dekor je nach Kollektion anzupassen. Die Form des Geschirrs bleibt jedoch meist erhalten. Oder anders ausgedrückt: während sich anhand der Dekore der Geschmack der Zeit ablesen lässt, spiegelt sich die Geschichte in der Form wieder.

Natürlich gibt es hier auch immer wieder Ausnahmen. Die meisten lassen sich in der Zeit des Art Deco finden. Aber auch später wurden die Schnörkel versuchsweise gegen zeitlosere Modelle getauscht. Bis heute trifft man bei Stücken von »Royal Albert« aber im Wesentlichen auf drei bis fünf Grundformen. Eine von ihnen wurde auch für Mirandas Kollektion ausgewählt – die Form »Hampton«.  

Form Malvern Hampton Shape Royal Albert
Abbildung: Kannenweise

Es ist nicht ganz einfach zu datieren, wann genau diese Form entstand und wer ihr Designer war. Jedenfalls habe ich im Internet Porzellanmarken aus den 1930er Jahren auf Teekannen in der »Hampton Shape« gefunden. Also lässt sich die Verwendung der Form zumindest bis dahin zurückdatieren. Ab den 1950er Jahren wurde sie besonders häufig verwendet.

Namenspate ist übrigens ein Vorort von London. Bekannt ist die Gegend als »The Hamptons« – ein Erholungsgebiet an der Themse. Der Ortsname wiederum geht vermutlich zurück auf die anglo-sächsischen Worte »hamm«  (eine Anlage in einer Flussbiegung) und »ton« (Siedlung).

Die Form zeichnet aus, dass Sie birnenförmig nach unten breiter wird. Dabei ist sie schön bauchig und fasst etwa 1,25 Liter oder sechs Tassen Tee. Es gibt in Mirandas Kollektion außerdem noch eine kleine Variante der Teekanne für 450 ml Flüssigkeit sowie ein Tea-For-One-Set. Beides mindestens ebenso bezaubernd, für meinen Tee-Konsum jedoch einfach zu klein.

Der Henkel ist geschwungen. Meistens ist diese Variante mit einer Goldverzierung versehen. Ab und zu findet man Ausführungen, bei denen der Henkel vollständig vergoldet wurde. Aufgrund des Goldrandes darf das Porzellan nicht in die Spülmaschine. Ich genieße bei dieser Qualität allerdings auch einfach die Kanne per Hand zu spülen. Die Öffnung ist groß genug und das reinigen superleicht.

Der Knauf ist flach ausgearbeitet, mit einem Relief in Form einer Blume. Auch diesen findet man ab und zu komplett mit Gold überzogen.

Die Tassen

Die Tassen dagegen wurden in der »Malvern«-Form ausgearbeitet – benannt nach dem Kurort Malvern in Worcestershire. Irgendwie gefällt mir der Gedanke an die Verbindung von Erholung und Tee. Schließlich wurden sowohl Teekanne wie auch die Tasse nach Urlaubsgebieten benannt.

Die nach unten enger werdende Tasse steht im Kontrast zu der Kannen-Form. Gerade großflächige Blüten kommen auf dieser Tassen-Form besonders gut zur Geltung. Der Ohren-Henkel passt sich im Gegensatz dazu der Kanne an. Getragen wird die Tasse von einem Fuß und sitzt passgenau in der Untertasse. Die Untertasse ist dabei recht hoch gearbeitet. Falls mal etwas überschwappen sollte, wird die Flüssigkeit gut aufgefangen. Insgesamt kann man pro Tasse 185 ml Tee genießen.

Zu der »Hampton Shape« werden verschiedene Tassen-Formen in Kombination verwendet. »Malvern« ist unter ihnen aber meine liebste. Sie liegt schön in der Hand und war auch früher schon beliebt. Denn nicht nur »Royal Albert« nutzte diese Form. Auch andere Hersteller (zum Beispiel »Royal Vale«) stellten diese Form, mit leichten Abwandlungen, her.

Wer diese Serie nachkaufen möchte, sollte sich beeilen, denn einige der Stücke sind inzwischen »Out of Stock«, also nicht mehr lieferbar. Auch bei anderen Online-Händlern wie »Westwing« oder »Amazon«, lassen sich nicht mehr alle Varianten erwerben. Natürlich bleibt immer der Weg über Second Hand. Die Verpackungen in Form von rosa Hutschachteln sind jedoch so hübsch, dass sich eine Neuanschaffung durchaus lohnt.

Zum Ausklang

Ich erinnere mich zwar nicht an Tee-Nachmittage mit meiner Oma (das Gedenken an meine Oma erledigt ein anderes Service für mich). Aber ich erinnere mich an ein schönes Silvester mit »Royal Albert«, den Start in ein neues Jahr und die Geburt einer Passion. Noch immer bringt mich die Tasse zum Lächeln, wenn ich daraus einen »Five O’Clock Tea« genieße und über den Goldrand streiche.

Foto: Dids gefunden auf Pexels

Ich hoffe ihr mochtet meine kleine Zeitreise zurück zur Quelle meiner heutigen Inspiration. Begleitet mich weiter beim nächsten Mal!

Quellen:

Bildnachweise (falls nicht in Bildunterschrift vermerkt):
Beitragsbild / Titelbild von Kannenweise

Web:
Pottery Histories, Stand vom 21.02.2021
Royal Albert Patterns – A Collectors Guide, Stand vom 21.02.2021
Homepage Royal Albert, Stand vom 01.01.2019 / nicht mehr aktiv
Royal Albert Online-Shop, 21.02.2021
Blog „The Teacup Attic“, Artikel „A Study Of Royal Albert Cup Shapes, Part 2“, Stand 22.02.2021
Youtube – Video „You Need To Calm Down“ von Taylor Swift, Stand vom 21.02.2021

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