Teetasse Tee Zealong
Kleine Teekunde, Schwarze Tees, Tee des Monats

Tee-Probe: »ZEALONG Black«

Was fällt mir ein, wenn ich als Tee-Trinkerin, an die Ursprungsländer oder die heutigen Anbaugebiete denke? Sicher zunächst China, Indien, Japan, vielleicht auch Afrika oder die Türkei. Neuseeland aber, kommt mir nicht unbedingt direkt in den Sinn. Dabei trinken Neuseeländer inzwischen nicht nur leidenschaftlich gern Kaffee, sondern auch Tee. Das Getränk ist sogar ein Teil ihrer neueren Geschichte geworden. Zugegeben: in Relation betrachtet, mögen etwa 200 Jahre gegenüber 5000 Jahren Geschichte in China unbedeutend wirken. Das heißt aber noch lange nicht, dass dem auch so ist. Dennoch klingt Tee aus Neuseeland irgendwie erfrischend in meinen Ohren.

Neuseeland Panorama New Zealand
Neuseeland Panorama / Foto: Sebastian We via Flickr under CC BY 2.0

Woher ich den Tee aus dem Land der Kiwis kenne

Jedenfalls hat mich der »Zealong« neugierig gemacht. Entdeckt habe ich ihn auf der Getränkekarte der Teestube von »Tee Gschwendner«. Gesehen, gefreut, bestellt! Ich war gespannt darauf, ob ich einen Unterschied zu den anderen Schwarztees schmecke, die ich für gewöhnlich dort trinke. Und siehe da. Ich fand den Tee ziemlich überzeugend. Eigentlich wollte ich ihn direkt mit nach Hause nehmen … bis ich den Preis gesehen habe. Mit etwas über 22 Euro für 100 Gramm Tee liegt dieser besondere Tee auf der hochpreisigen Seite.

Einige Zeit später durfte ich den »Kiwi-Tee« erneut probieren. Dieses Mal in einem Seminar für Kunden von »Tee Gschwendner«. Auch hier fiel er mir wieder positiv auf. Und deshalb musste er nun doch mit, hochpreisig hin oder her. Seitdem freue ich mich immer wieder mal auf eine Tasse des schwarzen Neuseeländer Tees. Daher wollte ich ihn hier einmal vorstellen.

Steckbrief
HerkunftNeuseeland, Waikato Region, Hamilton
Tee-GartenZealong Estate
Pflückung[keine Angabe]
Blatt / Blattgradgroßes, ganzes Blatt, in Form getrocknet, geringer Bruch
Zugefügte Aromen
Tassenfarbegold-braun
Geschmacksnotensüßlich, honig-ähnlich, leicht malzig, erdig
Mundgefühlmild, weich, spritzig, leicht adstringierend, keine Bitterkeit
Varietät[keine Angabe]
Haltbarkeit/Lagerungin einem luft- und lichtdichten Behälter bleibt der Tee etwa 36 Monate aromatisch
Preis auf 100 Grammrund 22,00 €
Teeverkäufer / HändlerTee Gschwendner
Verpackungseinheiten 100 g, 250 g, 500 g

Empfohlene Zubereitung
Western
Eastern

95 °C
Teebecher ~ 350 ml: – 3 TL oder 5 g
Teekanne 1 l: 8 TL oder 13 g
Ziehzeit: 4 Minuten


95 °C
Gaiwan ~ 110 ml: 5 g
bis zu 4 Aufgüsse
Ziehzeit: 25 Sek., 35 Sek., 50 Sek.


Der Tee des »Zealong Tea Estates«  

»Zealong Tea Estate« ist der einzige kommerzielle Tee-Produzent des Landes. Auf seiner Homepage lässt sich die Gründungsgeschichte reminiszieren: Demnach hat eine blühende Kamelie in Waikato, den Gründer der Tee-Plantage – Vincent Chen – inspiriert.

Camellia Japonica Blüte Blume Kamelie
Camellia Japonica – die Garten-Kamelie / Foto: Eva Elijas via Pexels

Da Tee ebenfalls eine Kamelien-Art ist, wunderte er sich, ob nicht nur die Garten-Kamelien, sondern auch Tee in seiner Heimat zum Blühen gebracht werden könnte. »Ein Traum war geboren.« Anschließend nahm die Geschichte ihren Lauf. Ein recht poetischer Gründungstext, den ich nicht auf die Goldwaage legen würde.

Tatsächlich hatten vor Vincent Chen bereits verschiedene Neuseeländer und Kooperativen seit den 1970er Jahren immer wieder versucht Tee anzubauen. Zunächst war der Ertrag nicht gewinnbringend genug. Was dazu führte, dass die Test-Pflanzen vernachlässigt wurden und das erste Groß-Projekt für gescheitert erklärt wurde.

Anschließend versuchte ein japanischer Geschäftsmann mit einer Yabukita-Varietät den japanischen Markt, um neuseeländischem Tee zu bereichern. Er erhoffte sich einen hochwertigen Tee, der außerhalb der japanischen Tee-Erntezeit verkauft werden konnte. Jedoch entwickelte sich die japanische Varietät nicht wie erwartet. Nach ersten Erfolgen, zerstörte schwere Kälte im Frühling 1994 und 1995 den größten Teil der begehrten Frühjahrsernte. Dazu gab die Pflanze durch die hohen UV-Werte in Neuseeland nicht die gewünschte grüne Farbe ab. Statt des satten Grüns, entwickelten die Pflanzen ein eher gelbliches Grün. Ausbleibender Erfolg führte schließlich ins Vergessen.

In etwa zur gleichen Zeit gab es auf der Nordinsel des Landes abermals einen Versuch die Tee-Zucht in Neuseeland zu beleben. Hier wurde die »Purangi Tea Collection« aufgebaut. Dreiundsechzig verschiedene Varietäten der »Camellia sinensis« gibt es hier im Garten des Weinbauers, außerhalb von Whitianga, zu bewundern. Dieser Versuch auf Privatgrund zeigte, dass es durchaus möglich war schwarzen Tee in Neuseeland zu kultivieren. Allerdings blieb auch bei diesem Versuch der Erfolg einer großen Industrie auf dem Coromandel bisher aus.

Der erfolgreichste Tee-Züchter bisher

In der Tat ist es bisher nur dem »Zealong Tea Estate« gelungen einen neuseeländischen Tee zu etablieren. Anders als seine Vorgänger, konzentriert sich Vincent Chen hauptsächlich auf den taiwanesischen Oolong Tee. Die blühende Kamelie, die dem Geschäftsmann zur Idee verhalf, mag aus der Marketing-Feder stammen. Der Erfolg jedoch spricht für sich selbst.

1996 und in den Folgejahren entstanden die ersten Tees unter der registrierten Marke »Zealong« – einer Wortkombination aus dem Herkunftsland und Oolong. Die Waikato Region auf der nördlichen Insel Neuseelands war um eine Besonderheit reicher geworden.

Die Supervision wurde dem taiwanesischen Tee-Meister Ming-Hsun Yu übertragen. Der Tee wird ausschließlich per Hand gepflückt. Die Methode der Wahl ist der hohe Two-leaves-and-a-bud-Standard. Die Weiterverarbeitung erfolgt im Anschluss in der eigenen Fabrik. Von der Ernte bis zur Verpackung bleibt jeder Schritt nachvollziehbar und ist »Bio« zertifiziert, was durchaus bemerkenswert für die Branche ist. Das Ergebnis ist, ein Tee von hoher Qualität, der über die Landesgrenzen hinaus gelobt wird.

State-of-the-art findet die Weiterverarbeitung statt. Vom Pflücken bis zum fertigen Tee braucht es lediglich 36 Stunden. Drei Mal im Jahr kann geerntet werden. Jede einzelne Ernteperiode dauert dabei zwanzig Tage. Anschließend hat die Pflanze wieder Zeit neue Blätter zu formen.

Nach eigenen Angaben des Unternehmens wachsen inzwischen über 1,2 Millionen Pflanzen auf der Plantage in der Nähe von Hamilton (rund 100 Kilometer südlich von Aukland entfernt).

Erst im eigenen Land, dann in die Welt

Marketing Manager Sen Kong berichtet, dass es durchaus ein holpriger Start für den »Zealong« war. Der Tee konnte erst nach einiger Skepsis bei den Neuseeländern Fuß fassen. Die Kunden waren verschiedene Nuancen noch nicht gewöhnt. Bis dato dominierten Kaffee und starke schwarze Tee-Mischungen den Markt. Bei jeder Bestellung des neuen Tees, war eine intensive Beratung notwendig.

Die Beharrlichkeit des Unternehmens (und ein wenig auch das Glück des richtigen Zeitpunkts) zahlten sich letztlich aus. Der Verbraucher wählt inzwischen genau aus, was er konsumiert. Es wird auf Qualität geachtet. Zudem spielt dem »Zealong Tea Estate« auch die wachsende Achtsamkeit der Umwelt gegenüber in die Hände. Schließlich ist die gesamte Produktion nachhaltig angelegt. Inzwischen gilt der Tee in der Heimat durchaus als etabliert und wird dort auch in Gourmet-Supermärkten angeboten.

Die Plantage bietet über den Tee hinaus noch einiges mehr. Es gibt Führungen, ein Gourmet-Restaurant, kulturelle Events sowie eine Location für Hochzeiten oder andere Großveranstaltungen.

Der Weg des Tees über die Landesgrenzen hinaus, war der logische nächste Schritt. Nach Erfolgen bei internationalen Wettbewerben, entstanden diverse Kooperationen. Eine von ihnen ist die mit »Tee Gschwendner« in Deutschland.

Aus dem Online-Shop des Estates – Die fünf ursprünglichen Tee-Sorten

Wie bereits erwähnt, konzentriert sich das Unternehmen auf Oolong, also halboxidierten Tee. Fünf ursprüngliche Sorten werden in der Rubrik »Origins« vermarktet. Darunter werden drei unterschiedliche Oolong, ein grüner und ein schwarzer Tee geführt.

Der erste ist »Pure Oolong«, eine milde, ungeröstete Variante mit einer langanhaltenden Süße – so der Hersteller. Gefolgt vom »Aromatic Oolong«. Dieser Tee ist kurz geröstet, soll ebenfalls eine leichte Süße haben und Noten von Frucht und Blüten entfalten. Der dritte im Bunde ist »Dark Oolong«, der am längsten geröstete Oolong im Sortiment. Er trägt ein leichtes Honig- oder Sesamaroma, einen Hauch von Kohle-Duft und hat eine kräftigere Farbe als seine Vorgänger.

Neben den drei Oolong-Varianten bietet die Plantage auch einen grünen und schwarzen »Zealong« an. Der grüne Tee der Familie ist ein frischer, aber abgerundeter Tee mit einer leichten Note von gerösteten Kastanien. So beschreibt es der Hersteller. Ich hatte leider noch nicht das Vergnügen mich persönlich von den Oolong und dem grünen Tee zu überzeugen. Zum schwarzen »Zealong« schreibe ich im Anschluss Genaueres.

Zealong Tee Logo
Das registrierte Zealong Logo – Die Rechte verbleiben beim »Zealong Tea Estate« / Foto: Kannenweise

Neben diesen ursprünglichen Tee-Sorten, wurde das Sortiment inzwischen um aromatisierte Sorten und auch Kräutermischungen erweitert.

Wer direkt vom Hersteller bestellen möchte, findet im hier verlinkten Online-Shop eine interessante Auswahl. Die Lieferung erfolgt weltweit, also auch nach Deutschland. Allerdings schlagen hier fünfzig Gramm mit 33,95 Dollar zu Buche. Hinzu kommen Versandkosten von mindestens 21,20 Dollar – Einfuhrkosten noch nicht mit eingerechnet. Wer den Erzeuger direkt unterstützen möchte, dem würde ich zu einer großen Gemeinschaftsbestellung raten.

Wo gibt es den Tee bei uns, und was kostet er?

Da der »Zealong« in Deutschland exklusiv über »Tee Gschwendner« vertrieben wird, sind diese Fachgeschäfte der erste Anlaufpunkt. Wenn dem Geschäft eine Tee-Stube angeschlossen ist, bietet sich hier eine gute Gelegenheit den Tee ideal zubereitet zu kosten. Und wer den Verkäufer oder die Verkäuferin ganz lieb bittet, bekommt alternativ mit Sicherheit eine Probe nach Hause.

Auch im Online-Shop können grüner und schwarzer »Zealong«, sowie ein Oolong, gekauft werden. Der Beschreibung nach würde ich darauf tippen, dass es sich hierbei um die Variante »Aromatic Oolong« handelt. Ein Glück, bleiben uns hier die hohen Versandkosten erspart. Hundert Gramm des, von mir probierten schwarzen Tees, kosten etwas mehr als 22 Euro. Damit kommt die Tasse Tee auf 0,46 Cent (bei rund 2 Gramm pro Tasse, oder 13 Gramm auf 1 Liter). Wenn man das so rechnet, dann ist es gar nicht mehr so kostspielig, oder?

Wie schmeckt der schwarze Tee?

Lecker! Aber ich greife vor. Zunächst zum Äußeren: Im trockenen Zustand lassen sich bereits ganze Blätter erkennen. Sie sind leicht eingedreht und duften recht intensiv. Gleichzeitig empfinde ich den Duft als angenehm natürlich. Der Hersteller weist einen holzigen Geruch aus. Den erschnuppere ich nicht wirklich, mag aber, was ich rieche.

Mit kochendem Wasser aufgegossen, sinken die Blätter rasch zu Boden – ein Zeichen für Frische. Sie geben zügig, aber sparsam Farbe ab. Ich lasse den Tee laut Empfehlung vier Minuten lang ziehen. Dabei wird der Duft milder und die Farbe intensiver.

Teeblätter trocken aufgegossen Zealong Black
Das trockene Blatt (links) und das aufgegossene Blatt (rechts) / Foto: Kannenweise

Die erste Tasse schmeckt angenehm süß, so wie es der Hersteller auch beschreibt. Ich entdecke ebenfalls die angepriesenen, leichten malzigen und honigähnlichen Noten. Meinem Empfinden nach ist der Tee außergewöhnlich mild und spritzig – erinnert ganz schwach an einen feinen Darjeeling. Obwohl der Vergleich nicht ganz passt. Leider suche ich vergeblich nach der blumigen Note. Das kann aber natürlich auch an meinem persönlichen Geschmackserlebnis liegen. Der Tee ist leicht adstringierend, ohne bitter zu sein. Tatsächlich kommen kaum Bitterstoffe durch. Für mich ist das ein Plus-Punkt. Ich bevorzuge nämlich sanfte Tees.

Gold-braun wirkt der Tee in der Tasse. Auch das gefällt mir – eine wunderschöne Farbe. Zum Süßen wäre der »Zealong Black« mir viel zu schade. Ich genieße ihn pur. Auch verliert er auf dem Stövchen recht schnell Aroma und mag es lieber frisch getrunken zu werden. Selbstverständlich kann das aber jeder handhaben wie er mag. Der persönliche Geschmack zählt.

Wenn ich das aufgegossene Blatt betrachte, lassen sich tatsächlich noch vollständige Blätter aus dem Aufguss extrahieren. Sie sind braun und duften noch immer angenehm natürlich.

Das ganze Blatt nach dem Aufguss gepresst und wieder getrocknet / Foto: Kannenweise

Fazit

Aus meiner Sicht lässt sich der Tee definitiv empfehlen. Ich erfreue mich immer wieder daran und fiebere einer neuen Tasse entgegen. Aufgrund des Preises ist es eher nicht der »Alltagstee«, sondern etwas für eine bewusste Tasse zum Buch oder aus dem Fenster blicken. Auch ungesüßt ist der »Zealong Black« ein Genuss und verzeiht, wenn er etwas abkühlt. Er ist von sehr guter Qualität und durchaus den hohen Preis wert. Da haben die Neuseeländer etwas Feines geschaffen und die Teelandschaft bereichert.

Ausgezeichnet! Nachschlag bitte. [Und noch ein wenig für später.]

In diesem Sinne schmackhaftes Ausprobieren, entspannen und das nächste Mal wieder dabei sein!

Neuseeland New Zealand Straße Road
Foto: Foto von Tyler Lastovich via Pexels

Quellen:

Bildnachweise (falls nicht in Bildunterschrift vermerkt):
Beitragsbild / Titelbild von Kannenweise

Web:
ZEALONG Unternehmensseite – abgerufen am 11.02.2021
Tee Gschwendner – abgerufen am 11.02.2021
New Zealand Geography, Artikel »Time For Tea« von Jo Bind – abgerufen am 11.02.2021
Tea Journey, Artikel »New Zealand’s Tea Evolution« von Felicia Stewart – abgerufen am 11.02.2021

Kiwi Neuseeland Vögel Silberfarn New Zealand
Abbildung: Kannenweise


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