Tee des Monats, Weiße Tees

Yunnan Silver Needle – Weißer Tee

Nachdem ich kürzlich einen längeren Artikel über Weißen Tee im Allgemeinen verfasst habe, lockte es mich doch die dort erwähnten Silbernadeln selbst einmal zu testen. Denn ich muss gestehen, dass ich in Sachen Weißer Tee noch ein Anfänger bin. Bisher fiel meine Wahl nämlich überwiegend auf Grün, Oolong und Schwarz. Meine Recherche weckte jedoch meine Neugier und nun habe ich mich mit gleich mehreren Weißen Tees eingedeckt. Also ist in Zukunft mehr von mir in diesem Bereich zu erwarten.

Ich mache den Start mit einem klassischen »Silbernadel Tee«. Moment, so klassisch ist mein gewählter Tee gar nicht. Denn statt dem berühmten und stark nachgefragten »Bai Hao Yin Zhen« aus Fuding/Fujian, zog es mich zuerst zu seinem chinesischen Verwandten. Der Grund dafür ist recht simpel: mein Geldbeutel.

Yunnan Tee Anbaugebiet Reis
Foto: Anna Coco, gefunden auf unsplash

Beide Varianten sind an und für sich hochwertig. Sie unterscheiden sich jedoch sowohl in ihrem Aussehen, als auch im Geschmack und schließlich auch im Preis. Beim Kauf muss zudem noch auf einige Punkte geachtet werden, damit auch tatsächlich die hochwertigste Pflückung im Gaiwan landet. Denn leider werden hier oft Qualitäten als »Imperial« oder »Premium« verkauft, die tatsächlich weniger sorgfältig hergestellt werden. Dazu gleich aber mehr.

Zunächst ein kleiner Rundumschlag zur Region

Die Yunnan-Region ist ein weitläufiges Gebiet. Mit rund 394 000 Quadratkilometern ist die Provinz so groß wie Deutschland und die Niederlande zusammen. Wörtlich übersetzt bedeutet Yunnan »Südlich der Wolken«. Damit wird die südwestliche Lage in China definiert. Klimatisch finden sich dort schneebedeckte Hochgebirge, genauso wie subtropische oder tropische Täler. Es ist ein hervorragendes Gebiet für entsprechende Vegetation.

Im Bild oben sieht man beispielsweise typische Reisterrassen im Tal und Teegärten in den Bergen. Hauptsächlich bekannt ist die Region in Sachen Tee vor allem für Pu-Erh. Überwiegend findet man hier also Teepflanzen, die für den Anbau von Schwarztee kultiviert wurden. In China sagt man zu diesen Kultivaren »Da Ye Zhong«, was wörtlich »Typ Großes Blatt« bedeutet. Entsprechend größer fallen hier auch die Knospen für den Weißen Tee aus.

Nicht nur das; auch erhält man durchaus eine größere Geschmackspalette von »Yunnan Silver Needles«. Sie fallen geschmacklich auf eine gewisse Bandbreite. Hier gilt es so viele verschiedene Teegärten beziehungsweise Importeure wie möglich zu testen, um für sich die passende Nadel herauszufinden. Also nicht direkt aufgeben, wenn die erste Charge durchgefallen ist.

Die Optik meines Weißen Tees

Mein Tee kam in einer luftdichten Metalldose mit Schraubverschluss, was schon einmal eine einfache Lagerung verspricht. Dass diese luft- und lichtdicht ist, sorgt dafür, dass der Tee länger aromatisch bleibt. Denn Sauerstoff beziehungsweise Duftstoffe und Licht sind im Zusammenhang mit Aufbewahrung von Tee natürliche Feinde.

Gerade bei Weißen Tees ist dies besonders wichtig, da diese generell eher zart im Aroma ausfallen und leicht kontaminiert werden können. Eine Alternative zu einer Dose wären beispielsweise auch Tüten mit Zip-Verschluss aus Kunststoff oder aromaversiegeltem Papier sowie dicht schließende Porzellan-Behälter.

Für mich spielt neben dem Auge, auch die Haptik eine große Rolle. Wer schon einen Artikel zu Porzellan von mir gelesen hat, wird wissen, wie gerne ich Dinge erfühle. Das ging mir bei den »Silbernadeln« nicht anders. Die Knospen sind nämlich bedeckt mit feinen weißen Härchen (eines der Qualitätsmerkmale!). Beinahe magisch angezogen wurde ich von diesem Flaum, der zwischen den Fingern weich und flauschig zu spüren ist.

Meine Nadeln aus Yunnan unterscheiden sich optisch deutlich von den begehrten Fuding Nadeln in ihrer Färbung. Während letztere tatsächlich einen silbrigen Farbton tragen, fallen die Yunnan-Nadeln eher grün-gelblich aus.

Aus Qualitätsgesichtspunkten muss man hier darauf achten, dass sämtliche Knospen noch geschlossen sind, dabei relativ fleischig (im Gegensatz zu dünn), gerade (im Gegensatz zu gedreht) und wenig dunkel verfärbt (sprich oxidiert).

Weißer Tee White Tea Yunnan Silver Needles
Foto: Kannenweise
Weißer Tee White Tea Yunnan Silver Needles
Foto: Kannenweise

Und wieso das?

Tauchen viele dunkle Flächen auf, heißt das, dass bei der Verarbeitung weniger Sorgfalt angewendet wurde. Die Knospen wurden verletzt und haben den Oxidationsprozess bereits in Gang gesetzt. Darunter leidet letztlich der Geschmack. Mitunter können sogar Bitterstoffe freigesetzt werden, was für Weiße Tees untypisch ist. Schmeckt der Tee also säuerlich oder bitter, sind Verarbeitungsfehler der Grund und die Qualität entsprechend schlecht.

Bei einem Tee, der nur mit minimalen Verarbeitungsschritten auskommt, gewinnt die Sorgfalt in jedem Teil des Prozesses an Bedeutung.

Gleiches gilt für den Öffnungsgrad der Knospen. Sind alle geschlossen, entspräche das dem angestrebten »Imperial«-Grad. Hierbei wurde zum richtigen Zeitpunkt geerntet. Noch haben sie nichts von den wertvollen Inhaltsstoffen eingebüßt, die für den Wuchs der Pflanze elementar sind und auch uns gut tun.  

Die Behauptungen zum Thema Gesundheit sind jedoch stets mit Vorsicht zu genießen. Fest steht, dass das Koffein des Tees belebt und erfrischt. Hier soll direkt mal mit einem Mythos aufgeräumt werden. Weißer Tee hat keinen geringeren Koffein-Anteil als die anderen Sorten, oft sogar eher einen höheren. Insbesondere Knospen beinhalten nämlich hohe Anteile des Stoffs, entwickeln sich hieraus doch die jungen Blätter, die Energie brauchen. Weshalb sollte ausgerechnet im jungen Trieb also weniger enthalten sein?

Ähnlich verhält es sich mit den wertvollen Polyphenolen, welche die Pflanze schützen und uns beispielsweise bei der Verdauung helfen sowie entzündungshemmend wirken.

Und weiter im Tee-Test – Die Zartheit

Bei den von mir probierten Nadeln sieht man an der ein oder anderen Stelle leichte Oxidierung, was nahelegt, dass es keine »Imperial«-Qualität ist, sondern eher B (2. Grad). Im Vergleich ist das noch immer hochwertig und ich bin nicht grundsätzlich enttäuscht.

Im Schnuppertest nehme ich einen dezent blumigen Duft wahr und bin glücklich. Das hatte ich mir erhofft und der sanfte Geruch, der auch ein wenig Gras beinhaltet, verspricht einen ebenso sanften Geschmack.

Ich persönlich liebe leichte Tees. Daher meine Vorfreude auf die »Silbernadeln«. Allerdings verbirgt sich hierin auch ein Fallstrick. Einigen Menschen erschwert dieses Merkmal die Komplexität des Tees zu identifizieren. Oft heißt es, er sei zu »lasch«. Wer also lieber ein bisschen mehr Kraft in seinem Weißen Tee schmecken möchte, versucht eventuell einen »Pai Mu Tan (Bai Mu Dan)«. [Der ist auch um einiges günstiger.]

Oder aber man spielt ein wenig mit der Zubereitung herum. In Literatur und von Experten liest man häufig, dass die zarten »Silbernadeln« nur heruntergekühltes Wasser vertragen. Kürzlich habe ich jedoch auf einem anderen Blog gelesen, dass gerade die Knospen durchaus 95 Grad heißes Wasser lieben. Durch den Aufguss mit heißerem Wasser intensiviert sich nämlich der Geschmack. Und die Knospen sind widerspenstiger, als man es ihnen generell zutraut. Auch hier scheint mir das logisch, schließlich ist das der Teil der Pflanze, der Kraft zum Wachsen braucht.

Voraussetzung für ein heißes Bad ist allerdings eine gute Qualität. Auch daran lässt sich die tatsächliche Qualität des Tees erkennen. Je hochwertiger, desto einfacher die Zubereitung und desto mehr verzeiht der Tee. Weniger gute Qualitäten (sprich mit Bruch, Stängeln, Blattanteilen und stärkerer Oxidation) werden durch den Aufguss mit heißem Wasser schnell bitter.

Der Tee-Aufguss

Nach meinem Initial-Test mit der empfohlenen Ziehtemperatur, habe ich auch die »härtere Gangart« probiert. Und siehe da, tatsächlich eine interessante geschmackliche Veränderung. Aber ich greife vor …

Chinesischen Tee aus chinesischem Porzellan zu trinken, scheint mir immer eine gute Kombination zu sein, daher fiel meine Wahl auf einen Gaiwan aus Porzellan mit einem Volumen von circa 150 Milliliter. Diese Form des Aufgusses hat zwei Vorteile. Zum einen fällt die Dosierung leichter – man rechnet etwa 5 Gramm auf 150 Milliliter.

Bei den Nadeln ist übrigens eine Waage von Vorteil, da die Menge der Knospen täuschen kann. Zunächst dachte ich es sei genug, ein Blick auf die Waage sagte aber: mehr, mehr.

Ein weiterer Vorteil der östlichen Zubereitung ist, dass dadurch mehrere Aufgüsse vereinfacht werden. Die aufgegossenen Knospen verbleiben einfach im Gaiwan und werden mit frischem Wasser ein weiteres Mal aufgegossen. In einer größeren Kanne müsste man diese mit einem Sieb entnehmen und für den nächsten Aufguss wieder hinzufügen.

Für meinen ersten Test habe ich 80 Grad heißes Wasser mit einer Ziehzeit von 60 Sekunden gewählt.

[Will man lieber auf die westliche Zubereitung zurückgreifen (sprich größere Kanne, längeres Trinken), dann reichen 2 Gramm auf 150 Milliliter. Die Ziehzeit darf sich hier dann auf bis zu fünf Minuten verlängern.]

Sollten die Knospen nicht vollständig mit Wasser bedeckt sein, treiben sie also an der Oberfläche, ruhig mit einem Spatel oder einem anderen Tee-Werkzeug nachhelfen und die Knospen sanft eintauchen. Schließlich wollen wir den ganzen, gleichmäßigen Geschmack herauskitzeln und nicht einen halbfertigen, nicht durchgezogenen Tee probieren.

Zubereiteter Tee –Tasse und Geschmack

Es ist eine Freude den Tee beim Ziehen zu betrachten. Die »Silbernadeln« machen definitiv etwas her und verströmen ein sanftes, frisches und leicht süßliches Aroma.

Die Tasse ist ein klares, helles Gelb. Blass könnte man auch dazu sagen. Edler formuliert erinnert mich die Tassen-Farbe an Champagner. Geschmacklich kommen blumige und gleichzeitig auch Noten nach Gurke oder Melone durch. Jedenfalls spüre ich eine zarte Süße. Er fühlt sich super angenehm im Gaumen an.

Kurzum: ich liebe ihn und frage mich, warum der Tee so lange gebraucht hat einen Platz in meinem Tee-Regal zu finden. Mein Plan für die Zukunft wird auf jeden Fall sein: mehr »Silbernadeln« aus unterschiedlichen Gebieten zu testen und stets einen kleinen Vorrat da zu haben.

Weitere Aufgüsse – Die zweite und dritte Tasse Tee

Hochwertige Weiße Tees können mehrfach aufgegossen werden – so wie man es auch von Oolong oder Grünem Tee gewöhnt ist. Ich habe bis zum dritten Aufguss Aroma schmecken können, ab dem vierten wurde es mir für meinen Geschmack etwas zu wässrig.

Der zweite Aufguss – etwas länger ziehen gelassen – verliert schon deutlich an Farbe. Dennoch lässt er sich noch hervorragend genießen. Ebenso wie der dritte (hier wiederum mit einer längeren Ziehzeit). Die Aromen kommen zarter durch, sind aber definitiv noch wahrzunehmen. Zeitweise schmeckte der Tee noch süßer als zu Beginn schon.

Weißer Tee White Tea Yunnan Silver Needles Tassenfarbe
Unterschied vom ersten Aufguss (unten) und dem zweiten Aufguss (oben) / Fotos: Kannenweise

Nachdem ich den Rat des anderen Blogs aufgreifen wollte, habe ich auch den Heiß-Wasser-Test gemacht. Und auch der hat mich überzeugt. Sowohl in Farbe, als auch aromatisch erschien er mir gehaltvoller, als die übliche Zubereitung. In jedem Fall werde ich ihn öfter auf diese Art und Weise genießen.

Ich bin davon überzeugt, dass man mit den »Yunnan Silbernadeln« experimentieren sollte, was die Dosierung, Ziehzeit und Wassertemperatur anbetrifft. Sie sind wesentlich kräftiger, als man es von einem »Fuding Bai Hao Yin Zhen« erwarten würde, vertragen (in der entsprechenden Qualität) heißes Wasser und entfalten interessante Aromen.

Was ich nicht damit sagen möchte, ist dass sie besser sind, als die wertvollen Fuding Knospen. Keinesfalls möchte ich mich mit den Connaisseurs anlegen. Ich empfinde sie jedoch zumindest als gleich interessant. Und sie reißen nicht so ein großes Loch ins Portemonnaie. Denn sie sind etwas weniger in aller Munde als die aus Fujian, werden daher weniger nachgefragt und sind dadurch bezahlbarer.

Fazit

Im Prinzip habe ich ja schon an mehreren Stellen geschwärmt. Daher wird es jetzt nicht überraschend kommen, dass ich den Tee empfehle. Vornehmlich denjenigen, die zarte Tees bevorzugen und bereit sind für das Edle mehr Geld zu investieren.

Der von mir probierte Tee kostet 11,90 Euro auf 35 Gramm. Das macht für eine Tasse (150 ml) einen Preis von 1,70 Euro, wenn man sich an die Zubereitungsempfehlung von 5 Gramm hält. Das ist schon nicht ohne, und dabei liegen diese »Silber Nadeln« von »Uniqo« noch eher im unteren Segment für Weißen Tee aus Knospen. Man kann hier wesentlich mehr Geld ausgeben, wenn man denn möchte.

Meinem Empfinden nach lohnt sich die Investition aber durchaus. Vor allem dann, wenn man den Tee ein zweites und drittes Mal aufgießt, und auf diese Weise das Ultimo herausholt.

Was ich nicht tun würde, wäre einen »Bai Hao Yin Zhen« zu irgendeiner Form von Essen hinzuzunehmen. Dafür wäre er mir zu schade. Zudem überlagern die Aromen der Mahlzeit schnell die feinen Noten des Tees.

Ich genieße ihn lieber pur und mit Muße. Süße bringt er von sich aus mit, benötigt also keinerlei Süßungsmittel und ist ideal für den Tag. Abends würde ich ihn persönlich – aufgrund des Koffeins – nicht unbedingt trinken. Aber all das sind sowieso keine festen Regeln. Bei Tee gilt für mich »Jeder wie er mag« und ruhig Mut zum Experimentieren!

Bewertungsbox
Abbildung: Kannenweise / hier geht es zu den Details zur Bewertungsbox

祝您玩得開心!

Zhù nín wán dé kāixīn

[Ich hoffe das bedeutet – »Ich wünsche vollen Genuss!« und nicht irgendetwas Beleidigendes]

Quellen:

Bildnachweise (falls nicht in Bildunterschrift vermerkt):
Beitragsbild / Titelbild von Kannenweise

Web:
Blog Tea Curious, Artikel Guide to Silver Needles, Stand 30.04.2021
Wikipedia, Artikel Yunnan, Stand 30.04.2021
Amazon, Shop Uniqo Silver Needles, Stand 30.04.2021