Basiswissen, Kleine Teekunde

Wie Tee kultiviert und geerntet wird

Im letzten Artikel haben wir die Teepflanze »Camellia sinensis« genauer betrachtet. Wir haben festgestellt, dass sich aus den Blättern des gleichen Teestrauchs alle Teesorten herstellen lassen: von grün, über Oolong bis hin zu Pu-Erh-Tee. Es galt verschiedene Varietäten zu entdecken und »echten« Tee von teeähnlichen Getränken abzugrenzen.

Und nun möchte ich gerne etwas Einblick in die Kultivierung und die Ernte der wertvollen Blätter gewähren. Mit der Kultivierung beginnt der Weg des Tees  von der Pflanze in die Tasse.

Optimale Anbaubedingungen für Tee

Damit die »Camellia sinensis« gedeiht, braucht sie optimale Umweltbedingungen. Vor allem sind das: ein tiefer, leicht säuerlicher Boden, viel Feuchtigkeit, konstante Bodentemperaturen (um die zwanzig Grad Celsius) und je nach Varietät auch Platz zum wachsen. Idealerweise regnet es dabei im Sommer viel. Circa 100 cm Regen werden benötigt. Die Winter jedoch sollten sonnig und trocken sein. Gleichzeitig hat die Pflanze im besten Fall Halbschatten und mildes Sonnenlicht. Zum Teil wird auch künstlich beschattet.

Bedingungen Anbau Teepflanze
Abbildung: Kannenweise

Vor allem in Asien sind diese Voraussetzungen von Natur aus gegeben. Hier finden sich dementsprechend auch die größten Teeplantagen.

Teegärten versus Tea Estates

Dabei kann es sich entweder um kleine, privat geführte Teegärten handeln, oder um Plantagen von großen Teeproduzenten. Kleine Gärten sind vielleicht einen halben bis zu einigen Hektar groß. Dort, wo viele kleine Teebauern aktiv sind, haben sich Kooperativen gebildet. Diese sorgen dafür, dass es für eine Gruppe von mehreren kleinen Erzeugern jeweils eine Fabrik zur Weiterverarbeitung gibt. In der Regel schicken die eigenständigen Teebauern ihre frisch gepflückten Blätter zur Verarbeitung in diese Fabriken.

Selbstverständlich können die Teebauern den Prozess aber auch in kompletter Eigenregie durchführen. Im Ergebnis wären das ganz seltene Tees in geringen Mengen, die das Land oft gar nicht erst verlassen. Sie sind eher für den lokalen Verbrauch vorgesehen.

Tee-Garte tea garden japanese
Kleiner japanischer Teegarten / Foto: Daderot via Creative Commons under CC0 1.0

Tea Estates hingegen haben als große Unternehmen meist mehrere Hundert Hektar zur Verfügung. Hier erfolgt die Zucht und die Verarbeitung in einer eigenen Fabrik auf dem selben Gelände. Um so effizient wie möglich zu arbeiten, wohnen häufig auch die Arbeiter im Tea Estate. Es werden zum Teil auch Krankenhäuser, Schulen, Wasserspeicher und Gebetsstätten neben den Gärten errichtet. Dadurch entstehen Gutshöfe oder kleine Gemeinden. Vielleicht lässt sich das mit alten Klosteranlagen in Europa vergleichen, nur eben auf noch größerer Ebene.

Es kommt dabei nicht selten vor, dass auch Tee aus den umliegenden privaten Kleingärten von den Estates aufgekauft wird. Die großen Erzeuger spielen also eine große Rolle für die Infrastruktur und die wirtschaftliche Entwicklung einer ländlichen Region.

Tea Estate Tee-Plantage tea Tee
Cameron Valley Tea Estate in der Nähe von Tanah Rata / Foto: Adam Jones via flickr under CC BY-SA 2.0

Tee-Giganten

Große Teehersteller betreiben häufig nicht nur eine, sondern gleich mehrere solcher Plantagen. Am Beispiel von McLeod Russel India Ltd lässt sich das gut aufzeigen.

Gegründet 1869, hat dieser indische Tee-Gigant inzwischen zahlreiche Tea Estates in Assam, Dooars, Bengal, Vietnam, Uganda und Ruanda. Zusammengenommen führt das Unternehmen über 60 Plantagen. Laut eigenen Angaben stellt McLeod Russel auf diese Weise jährlich über 80 Millionen Kilogramm schwarzen Tee her.

Natürlich ist diese Größe nicht über Nacht entstanden, sondern wurde über Jahrhunderte aufgebaut. Unter anderem wurden dazu auch andere Estates aufgekauft und Firmen zusammengeführt – mit all den Vor- und Nachteilen, die solche Zusammenschlüsse mit sich bringen.

Inzwischen beschäftigt das Unternehmen über 72 000 Mitarbeiter, die zusammengenommen für 25 000 Hektar Tee zuständig sind.

Tea Eastates Tee tea
Tea Estates
Fotos von oben links nach unten rechts: (1) shankar s. via  flickr under CC BY 2.0 – (2)(3) Liji Jinaraj via flickr under CC BY-SA 2.0 – (4) Adam Jones via flickr under CC BY-SA 2.0

Wie der Tee im Detail kultiviert wird, hängt natürlich auch davon ab, ob er eben aus einem kleinen privaten Teegarten kommt, oder in einem Tea Estate angebaut und verarbeitet wird.

Neue Pflanzen für die Teegärten

Mit einer Pflanze allein, lässt sich jedoch weder ein Garten noch eine Plantage gestalten. Daher werden zuerst Zöglinge benötigt. Früher hätte man zur Vermehrung der Kamelie Samen entzogen und diese neu ausgesät.

Heute jedoch ist Produktivität und Qualität von großer Bedeutung. Deshalb werden statt Samen, Stecklinge verwendet. Diese werden zuvor in Gewächshäusern oder Containern aufgezogen. Dafür werden der Mutterpflanze (also der ursprünglich über Samen gezogenen Pflanze) zunächst Blätter entnommen. Die Blätter werden anschließend in Erde gesteckt, damit sie Wurzeln bilden können. Bei gleichmäßiger Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 80 Prozent, haben die Stecklinge nach etwa acht Wochen dann erste Wurzeln geschlagen. Insgesamt hat der Züchter wesentlich mehr Kontrolle über die Entwicklung der Pflanze, als in der Natur.

Das »Klonen« von Pflanzen hat gegenüber der Saat noch weitere Vorteile. Liefert die Mutterpflanze einen hochwertigen Tee und ist besonders kräftig, wird nur diese für die Steckling-Zucht verwendet. Schwächere Pflanzen dagegen werden aussortiert. Die neuen Pflänzchen übernehmen die DNA der Mutterpflanze. Sie zeigen sich also ebenso widerstandsfähig, liefern die gleiche Qualität und sind vergleichbar im Ertrag. Auf diese Weise kann kontinuierlich ein gewisser Standard gehalten werden.

Bei der Samenzucht wäre dies nicht der Fall, denn aus einem Samenkorn entsteht eine vollständig neue Pflanze, mit einer eigenen DNA. Damit wäre das Endergebnis weniger steuerbar.

Sobald die jungen Teepflanzen auf eine Höhe von ungefähr fünfzehn bis zwanzig Zentimetern anwachsen, sind sie bereit für die Weiterzucht in der Natur. Insgesamt verbringen die Stecklinge zwischen sechs bis acht Monate in ihrem künstlich geschaffenen Zuhause.

Raus in die Natur mit dem Tee

Beim Aussetzen brauchen die Sträucher etwa anderthalb Meter Platz zueinander. Es werden Reihen gebildet, die wiederum etwa einen Meter Abstand zueinander haben. Auf weiten Flächen sieht das unglaublich ordentlich aus – insbesondere bei den maschinell bearbeiteten japanischen Teeplantagen. Ganz ehrlich: strahlt das Betrachten dieser Felder nicht unglaubliche Ruhe aus? Obwohl hier natürlich nichts mehr zum Zufall überlassen wird.

Tea Plantation Tee-Plantage Tee tea Quang Nguyen Vinh
Tee-Plantage auf flacher Ebene / Foto: Foto von Quang Nguyen Vinh von Pexels

In höheren Gebirgslagen ist eine Anlage in dieser Präzision nicht möglich. Dort folgen die Sträucher dem natürlichen Landschaftsverlauf. Oder aber es wird auf hoch liegende Terrassen zurückgegriffen. Hierbei wird ein Teil des Bodens begradigt, um Bodenerosion zu verhindern. In allen Fällen werden die Sträucher immer wieder auf eine Höhe von etwa einem Meter zurückgeschnitten. Das erleichtert das Pflücken.

Tea Plantation Tee-Plantage Tee tea
In die Landschaft eingefügte Tee-Plantage / Foto: Carla Cometto via flickr under CC BY 2.0

Ihren festen Platz im Teegartenboden finden die Stecklinge übrigens entweder durch die Hand des Bauers oder mit maschineller Hilfe. Im Gebirge kann dies nur manuell erfolgen. Der unebene Boden und die Steigungen geben der Maschine nicht die benötigte Festigkeit. Pflanzmaschinen können auf großen Flächen aber die Arbeit wesentlich erleichtern. Auf eine Pflanzmaschine wird zum Beispiel in Japan häufig zurückgegriffen.

In dem Video »Japanischer Grüntee-Anbau […]« des Users Noal Farm auf Youtube lässt sich dieser Vorgang betrachten. Höchst faszinierend. Im selben Video habe ich auch nicht wenig gestaunt, als eine Horde Enten in den Teegarten geführt wurde. Irgendeine Idee wozu? Nein? Die Enten tun zwei gute Dinge für den japanischen Tee. Zum einen zupfen sie lästiges Unkraut weg. Zum anderen helfen sie auch beim Düngen der Erde. »The more you know …«. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das eine spezielle Marotte des dort gezeigten Teezüchters ist. Für mich war diese Methode jedenfalls neu.

Schutz von Tee-Schädlingen

Enten allein schaffen es natürlich nicht sämtliches Unkraut zu bekämpfen. Daher wird dieses regelmäßig per Hand oder maschinell entfernt. Neben dem Unkraut bilden auch Schädlinge (wie beispielsweise die grüne Teezikade [Empoasca onukii]) eine Gefahr für die Pflanze.

Grüne Teezikade Empoasca
Die grüne Teezikade / Foto: Hectonichus via Creative Commons under CC BY-SA 3.0, cropped

Züchter sind nach wie vor damit beschäftigt resistente Pflanzen zu entwickeln, indem die natürlichen Abwehrmechanismen der »Camellia sinensis« gegen Insekten hervorgehoben werden. Wird die Pflanze befallen, produziert sie nämlich Abwehrstoffe. Diese vertreiben im besten Fall nicht nur den Schädling, sondern wirken mitunter positiv auf den Geschmack.

Ein Beispiel dafür ist die beliebte Oolong-Sorte »Eastern Beauty« (auch bekannt als »Dongfang meiren«, »Oriental Beauty«, »White-Tip Oolong« oder »Champagne Oolong«). Der Befall durch die Insekten hat hier dazu geführt, dass eine besondere Süße hervorgetreten ist. Geschmacklich soll sie an Honig erinnern.

Die Kultivierung des Tees ist also noch lange kein abgeschlossenes Kapitel.

Aber was tun gegen ungewollte Schädlinge? Da wir das Endprodukt konsumieren, kann nicht einfach mit der größtmöglichen Chemiekeule vorgegangen werden. Auch an dieser Stelle ein Beispiel aus der japanischen Teezucht: In dem hochentwickelten Land wird unter anderem eine Mischung aus Wasser und Reiskleie verwendet. Dieses natürliche Mittel gegen Schädlingsbefall wird mittels Heißdruckdüsen monatlich über den Teesträuchern versprüht.

Gehegt und gepflegt, sowie regelmäßig gestutzt, kann der Teebauer seine Pflanze nach drei bis fünf Jahren zum ersten Mal ernten. Gesunde Teepflanzen geben oft über mehrere Jahre qualitativ hochwertigen und schmackhaften Tee ab. Anschließend lässt die Ertragsmenge nach. Daher ist es üblich die Pflanze nach etwa fünfundzwanzig Jahren zu ersetzen.

Die Kunst des Teepflückens

Mit dem Fortschritt in der Landwirtschaft hat sich auch das Gesicht eines Teegartens beziehungsweise einer Teeplantage verändert. Seit der Mensch den Tee züchtet und nicht mehr dem Wildwuchs überlässt, gibt die Art der Ernte vor, wie ein Strauch aussieht.

Japan Tee Tee-Ernte Tee-Pflücker public domain koloriert
Japanische Tee-Pflücker 1890 – 1894, nachträglich koloriert / Foto: Rijksmuseum via Creative Commons gemeinfrei unter CC0 1.0

Wird der Tee per Hand gepflückt, ist ein Strauch praktisch, der etwa hüfthoch ist, um so ohne Bücken und Strecken an die jungen Blätter zu kommen. In der Praxis wird deshalb ein sogenannter »Pflücktisch« in Form geschnitten. Nach regelmäßiger Ernte behält er diese Form bei.

Tea Plantation Tee-Plantage Teeplantage Pflücktisch Tea Estate
Hier lassen sich die Pflücktische deutlich erkennen / Foto: Foto: Adam Jones via flickr under CC BY-SA 2.0

Bei einer maschinellen Pflückung wird der Strauch der Maschine angepasst. So liegen hier die Reihen weiter auseinander, damit die Maschine hindurchfahren kann. Die Höhe der Pflanze entspricht der Position der Scheren der Erntemaschine.

Ob eine Maschine tatsächlich eingesetzt werden kann, hängt davon ab, wo der Teegarten sich befindet, wie groß die Fläche ist und in welchem Land der Tee wächst. Gärten in hohen Gebirgslagen können nur per Hand bearbeitet werden, große Flächen dagegen bieten sich für eine maschinelle Pflückung an.

Manuelle Tee-Ernte

Auch heute noch wird Tee überwiegend mit der Hand gepflückt. Die Pflückenden besitzen eine faszinierende Fingerfertigkeit. Die frisch gezupften Blätter werden regional geprägt in Körben gesammelt. Die Körbe sind dabei auf dem Rücken festgeschnallt. Oder aber der Pflückende sammelt sie in Leinentüchern, die auf Hüfthöhe über den Kopf gebunden werden. Auch große, runde Schalen aus Bast oder Säcke aus Jute beziehungsweise Kunststofffasern finden Anwendung.

Die pflückreifen Blätter erkennt man an der Farbe. An der Spitze befinden sich die zarten, gelb-grünen Blätter, weiter unten am Strauch die älteren Mutterblätter in einem dunklen Grün.

Teepflanze Tee tea two leaves and a bud
Abbildung: Kannenweise

Two Leaves and a Bud

Die bekannteste Methode ist die Pflückung der jungen Knospe, sowie der beiden anschließenden zwei Blättern: »Two leaves and a bud«. Diese Blätter sind die zartesten und werden entsprechend häufig für weiße und grüne Tees verwendet. Qualitätstees werden ausschließlich aus dieser Pflückung hergestellt.

Der Tee-Pflückende setzt bei dieser Methode kurz unterhalb der Knospe an und kneift mit Zeigefinger und Daumen die Blätter ab. Dabei wird darauf geachtet, die Blätter nicht fest zu drücken oder zu verletzen. Anschließend landen diese im Korb. Das geschieht in einer bemerkenswerten Geschwindigkeit und mit viel Geschick.

Two leaves and a bud Tee tea Hand
Die Knospe mit zwei jungen Blättern. Die Perfektion der Pflückung: Two leaves and a bud / Foto: Ashwin Kamath via flickr under CC BY 2.0

Da allerdings nur die Knospen und kleinen Blätter geerntet werden, ist diese Methode weniger ertragreich, als andere Pflückarten. Ein Pflücker kann täglich lediglich um die zehn Kilo frischer Blätter aufsammeln.

Greifen und Ziehen (Clutch-and-tear)

Eine effizientere Methode ist es, gleich mehrere Blätter mit einem Handgriff zu ernten. Auch hierbei werden nur die frischen Blätter gezupft. Die Hand umfasst sämtliche junge Blätter eines Zweigs. Mit einer Aufwärtsbewegung werden diese dann abgezogen und in der Hand gesammelt. Wenn das mit Geschick umgesetzt wird, hält der Pflücker eine kleine »Teeblume« aus größeren Blättern bis hin zur Knospe zulaufend in seiner Hand. Anders als die erste Methode, wird diese jedoch nur noch in wenigen Regionen angewendet.

Der ganze Zweig

Ganz ähnlich der zuvor beschriebenen Methode, werden hier auch sämtliche junge Blätter der Pflanze geerntet. Der Unterschied ist, dass hierbei auch die Stengel mitgenommen wird. Die Blätter werden erst bei der Weiterverarbeitung von den Stengeln getrennt, sofern dies notwendig ist.

Scheren

Anfang der 1900er Jahre versuchte man die Tee-Ernte zu industrialisieren und führte erste Ernte-Scheren ein. Diese sollten auch schwer zugängliche Sträuche erreichen. Allerdings hat sich die Methode gegenüber der Hand nicht flächendeckend durchsetzen können. Denn durch die Schere wird dem Pflückenden die Kontrolle genommen genau zu entscheiden, welche Blätter tatsächlich frisch sind. So ist es möglich, dass mit den Schnitt auch das ein oder andere ältere Blatt im Korb landet.

Tea plucking tea picking Tee Ernte pflücken Frau Menschen bei der Arbeit
Hin und wieder begegnet einem die Ernte mit einer Schere noch, so wie auf diesem Foto von Mike Prince via flickr under CC BY 2.0

 

Maschinelle Tee-Ernte

Für eine maschinelle Pflückung ist es elementar, dass der Busch zuvor entsprechend zugeschnitten wird. Kurz vor der ersten Ernte im Frühling, noch bevor die jungen Triebe sprießen, werden die Sträucher auf eine bestimmte Höhe gestutzt. Alles, was anschließend über diese Höhe hinaus wächst, wird durch die Maschine abgeschnitten. Das sind dann nur die frischen Blätter und Knospen. Die Ernte muss also präzise vorbereitet werden.

Maschinell stehen verschiedene Geräte zur Verfügung. Getrennt werden dabei tragbare Erntemaschinen und Erntefahrzeuge.

Halbautomatische Handmaschine

Diese Handmaschine ist ähnlich einer Heckenschere. Vorn befindet sich eine Art Kehrschaufel. Am Rand der Kehrschaufel ist eine zackenartige Scher-Vorrichtung. In diese werden die jungen Blätter geschoben. Die integrierte Schere trennt diese dann automatisch vom Zweig. Die geernteten Blätter landen anschließend durch den Pflücker im Korb. Gerade in Haupterntezeiten wird auf diese Art der Schere zurückgegriffen. In dieser Zeit ist besonders viel Blattgut vorhanden und der Einsatz effektiv.

Vollautomatische tragbare Handmaschine

Eine vollautomatische Handmaschine muss von insgesamt drei Menschen betrieben werden. Zunächst wird sie von zwei Personen auf die Höhe der frischen Blätter gehoben. Kurz unterhalb der neuen Triebe wird sie angesetzt und anschließend über die Büsche geführt. Die Scheren der Maschine schneiden die Blätter entsprechend ab. Eine dritte Person führt einen Sammelsack hinterher, in dem die Blätter durch das Gebläse der Maschine hineingeblasen werden.

Tee-Pflückmaschine Tea Harvest Machine Ochiai People at work Tee
Hand-Tee-Plückmaschine / Foto: Oli Studholme via flickr under CC BY 2.0

Für diese Methode wird Muskelkraft benötigt. Denn die Steuerung der schweren Maschine ist mühsam,  insbesondere, wenn der Boden nicht ganz eben ist. Doch die Mühe ist es wert, denn die maschinelle Hilfe erntet effektiv etwa sechzig Mal mehr, als es per Hand möglich wäre. Die Kehrseite ist allerdings, dass die Qualität des so gepflückten Tees sinkt.

Ernte-Traktoren

Ein Traktor kann zum Ernten nur dort eingesetzt werden, wo die Erde eben ist und genug Platz für die Räder des Fahrzeugs gegeben sind. Auch für diese Methode ist ein präziser Zuschnitt der Pflanzen notwendig. Wenn die Plantage nicht richtig für das Fahrzeug präpariert wird, kann das Gewicht des Traktors zudem die Bodenbeschaffenheit zerstören.

Statt drei Personen, benötigt man hier nur einen einzigen Menschen – den Fahrer. Dieser steuert die Maschine durch die Tee-Reihen. Dabei setzt er quasi auf die Sträucher auf. Die geernteten Blätter bläst das Gerät in einen Sack oder einen hinten angebrachten Behälter. Mit einer Maschine dieser Art können bis zu fünf Hektar Land an einem Tag bearbeitet werden.

Tee-Pflückmaschine Tea Harvest Machine Maschine Tee Agrikultur Anbau agriculture
Beispiel einer Erntemaschine / Foto: Akuppa John Wigham via flickr under CC BY 2.0

Die Maschinen und die Qualität

Neben Japan wird auch in einigen Gebieten Chinas, in Assam und Afrika maschinell geerntet. Die sinkende Qualität der Ernte bei maschineller Pflückung wurde ja bereits angesprochen.

Es kann nicht direkt zwischen guten Blättern und anderen Bestandteilen getrennt werden. So gelangen möglicherweise auch unerwünschte Anteile in die Teeblätter, die später aussortiert werden müssen. Zudem können die zarten Blätter durch die Scheren beschädigt werden. Dadurch kann sofortige Oxidation auslöst werden. Bei schwarzen Tees (besonders in Standard- oder mittlerer Qualität) ist das kein großes Problem. Auch für die Teebeutel-Herstellung ist das nur bedingt von Bedeutung. Aber, wer Spitzentees anbaut, wird eher nicht auf eine Maschine setzen, sondern die Handpflückung bevorzugen.

Diese Prämisse gilt jedoch nicht für die japanische Teezucht. Sie fällt nämlich aus dem Rahmen. In Japan ist Arbeitskraft sehr teuer. Deshalb wurde die maschinelle Unterstützung seit den 1960er Jahren immer weiter perfektioniert. Die Sträucher sind fächerförmig makellos auf die Maschinen zugeschnitten. Die Kanten fallen dabei leicht ab, was zu diesem Zen-artigen Bild führt.

Teeplantage Tee tea Japan
Japanische Tee-Plantage / Digitale Zeichnung auf Fotogrundlage: Brett Jordan via flickr under CC BY 2.0 (cropped)

Vor der Ernte werden die Pflanzen bestmöglich geschützt. Es werden zusätzlich Berieselungsanlagen, Beschattungen und Ventilatoren eingesetzt (um die kalte Luft wegzublasen). Die Scheren verletzen die Pflanzen nicht, so dass trotz maschineller Ernte die japanischen Tees höchste Qualität beibehalten.

Erntezeiten für Tee

Auf welche Art und Weise nun auch gepflückt wird, beim Zeitpunkt der Ernte sind wir Menschen wieder von der Natur abhängig. Wie oft gepflückt werden kann, hängt von der Varietät, dem Standort, der Höhenlage und auch vom Wetter ab. Denn einige Anbaugebiete sind durch kalte Winter und heiße Sommer geprägt. Andere Regionen profitieren von häufigen Regenfällen, die für Wachstumsschübe sorgen.

Die Varietät »Camellia sinensis var. assamica« ist äußerst ergiebig und kann in der Regel alle 6 bis 14 Tage, ganzjährig geerntet werden. Bei starken Regenfällen wird das Intervall sogar noch um zwei bis drei Tage verkürzt.

Dagegen wächst die Varietät »Camellia sinensis var. sinensis« wesentlich langsamer und wird in kühleren, hoch liegenden Gebieten kultiviert. Etwa alle drei Wochen kann in diesem Fall geerntet werden. Je höher allerdings der Teegarten liegt, desto geringer fällt die Erntemenge aus. Das kann die Pflückintervalle noch verlängern.

Zudem gibt es regional auch noch monatlich begrenzte Erntezeiten. Vom Zeitpunkt der Ernte wird auch die Farbe und der Geschmack des Tees beeinflusst.

So werden zum Beispiel in Regionen mit stark ausgeprägten Jahreszeiten wie Darjeeling, Nepal und anderen Regionen am Himalaya, die vorwiegend schwarzen Tees, zusätzlich nach der Pflückperdiode sortiert.

Pflückperioden

Frühling

Die erste Pflückperiode für beide Varietäten ist im Frühling. Von März bis Mitte April wird der erste Tee des Jahres als »First Flush« geerntet. Besonders bei Tees aus Darjeeling ist diese Bezeichnung den meisten Teetrinkern bekannt. Diese Frühlingsernte zeichnet eine besondere Frische und Spritzigkeit aus. Der Tee ist qualitativ meist sehr hochwertig und ergibt eine helle Tassenfarbe. Die Tees sind unter Tee-Experten sehr begehrt. Allerdings verfliegt das zarte Aroma innerhalb weniger Monate. Definitiv kein Tee für die Lagerung! In der Regel wird er auch nicht zu Teebeuteln verarbeitet, sondern als ganzes Blatt verkauft.

Unter den »First Flush«-Tees gibt es noch eine ganz besonders begehrte Variante, den »Flugtee«. Das ist ein besonders früh gepflückter Tee. Er wird sofort nach der Verarbeitung verschickt. Daher auch der Name »Flugtee«. Per Luftfracht gelangt er zu den Tee-Händlern und sollte zügig aufgebraucht werden. Es wäre zu schade um den Geschmack. Ich habe persönlich einmal erlebt, wie Kunden für den neu eingetroffenen »Flugtee« in einem kleinen Teefachgeschäft Schlange standen. Die Verkäuferin kam mit dem Packen kaum nach.

Von Mitte April bis Mitte Mai gibt es eine Zwischenpflückung. Diese wird als »In Between« gekennzeichnet. Wie der Name schon suggeriert, ist das nichts Halbes und nichts Ganzes. Geschmacklich gibt es hier keine besonderen Ausprägungen. Aus diesem Grund wird dieser Tee gern zum Strecken verwendet.

Sommer

In den Monaten von Mai bis Juni geben die Pflanzen einen kräftigen, aromatischen Tee ab. Das ist dann der »Second Flush«. Der Sommertee ist würzig und wie der First Flush ein qualitativ sehr hochwertiger Tee. Er verträgt im Gegensatz zur Frühlingsernte auch eine längere Lagerung und hält sein Aroma über Monate hinweg.

Übrigens gibt es auch vom »Second Flush« inzwischen »Flugtees«. Was einmal dem »First Flush« vorbehalten war, wurde aufgrund der Nachfrage mittlerweile auch auf die zweite, hochwertige Ernte erweitert.

Nach dem »Second Flush« folgen sogenannte »Regentees«. Sie heißen so, weil sie in der Monsunzeit Darjeelings von Juli bis September geerntet werden. Gelegentlich findet man den Tee auch unter der Bezeichnung »Third Flush«. Geschmacklich gibt es hier nichts zu entdecken. Da in dieser Zeit hohe Temperaturen und die extreme Feuchtigkeit die Qualität und den Geschmack negativ beeinflussen, schmeckt diese Pflückung eher fade. Man kann diesen Tee sehr günstig erwerben. Er wird häufig für Blends (Tee-Mischungen) verwendet. Besonders für aromatisierte Tees bilden »Regentees« oft die Grundlage, da das zugesetzte Aroma den Eigengeschmack der Blätter ohnehin überdeckt.

Herbst

Die letzte Pflückperiode des Jahres erfolgt bei der Varietät »assamica« von Oktober bis November. Gekennzeichnet als »Autumnal« sind Herbsttees ebenfalls keine Spitzentees mehr. Trotzdem gibt es, anders als bei den »Regentees«, eine interessante geschmackliche Note zu erschließen. Der Tee wird häufig als vollmundig beschrieben. Durch den reduzierten Gehalt an Gerbstoffen, schmeckt er oft weich und wenig bitter.

Foto : Akarsh Simha via flickr under CC BY-SA 2.0 / Grafik: Kannenweise

Nach der Tee-Ernte

Per Hand gepflückte Tees werden nach ihrer Ernte in einer Sammelstelle abgegeben. Dort wird die Blatt-Menge gewogen. Anhand der Kilogramm erhält der Pflückende seinen Lohn. Gleichzeitig erfolgt eine erste Qualitätskontrolle. Bei maschinell gepflücktem Tee entfällt dieser Schritt.

Anschließend wird der Tee in Säcke umgepackt und unverzüglich zur Fabrik gefahren, um schnellstmöglich weiterverarbeitet zu werden.

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Frischer Tee zur Weiterverarbeitung in der Fabrik / Foto: Joachim Huber via flickr under CC BY-SA 2.0

Und wie geht es im Anschluss in der Fabrik weiter? Das gibt es zwei Blog-Artikel später zu entdecken. Bleibt also bei mir! In diesem Sinne …

Bis zum nächsten Mal!

Quellen:

Bildnachweise (falls nicht in Bildunterschrift vermerkt):
Beitragsbild / Titelbild von Quang Nguyen Vinh via Pexels

Web:
Blog Sencha Tea Bar, Artikel „How Tea Is Grown“, Stand vom 01.02.2021
Wikipedia – McLeod Russel India Ltd. , Stand vom 01.02.2021
Homepage McLeod Russel, Stand vom 01.02.2021
Gartendialog.de – Artikel „Teepflanze Pflege“, Stand vom 01.02.2021
Spektrum News – Artikel „Der lange Weg zur Teekultur“, Stand vom 01.02.2021
Youtube – Video „Japanischer Grüntee-Anbau – Grüntee-Farm – Grüntee-Ernte und -Verarbeitung“ von Noal Farm, Stand vom 01.02.2021

Blog The Tea Crane – Artikel „Tea Picking Equipment“ von Tyas Sōsen, Stand vom 01.02.2021

Literatur:
»Tee-Somelier« von Gabriella Lombardi, mit Fotografien von Fabioi Petroni, in der Übersetzung von Marion Ahl und Simone Blass, White Star Verlag, 6. Auflage, 2013, ISBN 978-88-6312-351-7, Seite 23

»TEE – Sorten, Abau, Geschichte, Zubereitung, Rezepte und vieles mehr« von Louise Cheadle, Nick Kilby, in der Übersetzung von Stefanie Kuballa, deutsche Ausgabe, Prestel Verlag der Verlagsgruppe Random House, 2015, ISBN 978-37913-8316-3, Seiten 92 – 95

»Das große Teebuch« von Rainer Schmidt, Braumüller Verlag, 2. Auflage 2019, ISBN 978-39-9100-255-3, Seiten 17 f


»Das Teebuch: Sorten, Anbaugebiete, Rituale und Rezepte aus aller Welt«, Dorling Kindersley Verlag, Auflage 2015, ISBN 978-38-3102-788-0, Seite 15

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